Wälder in Brandenburg : Das große Sägen hat begonnen

In Brandenburgs Wäldern dürfen die Freizeit-Holzfäller ihre Weihnachtsbäume schlagen. Am besten eignet sich eine normale Handsäge als Werkzeug.

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Auf Beutezug. Sogar mit einer Motorsäge rücken manche an, doch das sehen Förster nicht gern, weil bei ihrem Kreischen jede Glühweinromantik beendet ist. Und Spaß soll der Ausflug mit der Familie ja auch machen.
Auf Beutezug. Sogar mit einer Motorsäge rücken manche an, doch das sehen Förster nicht gern, weil bei ihrem Kreischen jede...Foto: dpa

Ein Weihnachtsbaum ist keine Schnittblume. Den abgesägten Stamm im Wohnzimmer in ein Wasserbad stellen? „Bringt gar nichts!“ Oberförster Holger Hendtke schüttelt den Kopf. „Nach dem Fällen verschließen die Bäume als Schutz ihre Poren, so dass kaum ein Tropfen Wasser nach oben steigt.“ Ohnehin hält der Herr über das Revier rund um Ferch südlich Berlins wenig von vorzeitigem Aufstellen des grünen Zimmerschmucks: „Je später die Bäume aus dem Wald in die Stuben kommen, desto mehr Freude schenken sie zur Weihnachtszeit. Sie behalten ihre Nadeln und vor allem ihren Duft nach Wald.“ Und natürlich empfiehlt Hendtke den Besuch der Brandenburger Wälder, wo man zur Adventszeit bei festen Terminen und in bestimmten Arealen im wahrsten Sinne des Wortes zuschlagen kann, um ein garantiert frisches, bis weit in den Januar hinein ansehnliches Exemplar zu erhalten.

Schon zwei Monate vor der Adventszeit sprechen die ersten Freizeit-Holzfäller voller Vorfreude in den Förstereien vor. Seit über 15 Jahren gibt es die Aktion „Weihnachtsbäume zum Selbstschlagen“. „Das Erlebnis solch eines Ausflugs wirkt lange fort“, schwärmt etwa Barbara Findeisen aus Zehlendorf. Sie fahre mit ihren erwachsenen Kindern und den Enkeln regelmäßig zur Waldweihnacht in die Oberförsterei Hammer in Groß Köris südlich Berlins. Dort würden aber nicht nur Bäume geschlagen. „Wir kaufen da auch Schinken und Würste vom Wild, die Kinder können basteln, bei einer Märchenstunde zuhören und sich am Lagerfeuer wärmen.“

Solch ein Gesamtprogramm spricht gerade Familien an, im Vordergrund der vorweihnachtlichen Ausflüge in den Wald steht aber doch der Baum. Die meisten Besucher dürften sich wieder für eine Kiefer entscheiden. Das für die Mark typische Gehölz macht gut die Hälfte der rund 30 000 Bäume aus, die die staatlichen Forstbetriebe in der Adventszeit anbieten. Es nadelt praktisch nicht, allerdings ist zwischen den Ästen mitunter ziemlich viel Luft.

Die Gemeine Fichte entspricht zwar am ehesten den Bildern geschmückter Weihnachtsbäume in Märchenbüchern, verliert in warmen Räumen aber am schnellsten ihre vielen Nadeln. Während die Blaufichte – die natürlich ebenfalls grün ist – sehr spitze, pieksende Nadeln hat, verströmt die Douglasie einen starken Orangenduft, wenn man die Nadeln zwischen den Fingern reibt. Allerdings sind ihre Zweige so schwach, dass sie unter der Last von Kugeln, Kerzen und anderem Schmuck leicht nachgeben. Küsten- und Coloradotannen riechen ebenfalls gut und bleiben auch dekoriert stabil, stehen aber an der Spitze der Preisliste.

Beim eigentlichen Akt des Fällens der meist zwischen fünf und zehn Jahre alten Bäume schlägt dann die Stunde der starken Männer im Wald. Manche Väter geraten bei der ungewohnten Arbeit im Freien doch ins Schwitzen und schimpfen über die „stumpfe Axt“ oder das „schlechte Holz“. Sogar mit einer Motorsäge rücken sie mitunter an, doch das sehen Förster nicht gern, weil bei ihrem Kreischen jede Glühweinromantik zerfällt.

Am besten eignet sich noch immer eine normale Handsäge. Damit sie beim Sägen nicht einklemmt, sollten Helfer den Baum nach hinten wegziehen. Auf eine andere Technik schwört Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger: „Ich setze die Säge zuerst an der Vorderseite des Stammes an und wechsele dann auf die Rückseite. Das ergibt dann eine saubere Schnittfläche.“ Der Minister holt sich seinen diesjährigen Baum übrigens aus dem eigenen Garten. Der sei wie alle anderen Brandenburger Weihnachtsbäume ohne Chemie gewachsen und stehe jetzt genau benachbarten Exemplaren einfach im Weg – wie im großen Wald. Da müsse er eben weg und komme für drei Wochen noch in die warme Stube.

Weitere Informationen finden Sie bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und beim Landesbetrieb Forst Brandenburg:

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/aktuelles/

http://forst.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.270314.de

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