Berlin : Wäsche, die es besser weiß

Jetzt wird auch Kleidung intelligent: Die „Textile Future Show“ zeigt, was wir in Zukunft anziehen sollen

Susanna Nieder

Eine Reiterweste mit Airbag? „Auf jeden Fall einen Versuch wert“, sagt Christian Ahlmann, Europameister im Springreiten treuherzig, bevor ihm Moderatorin Caroline Beil dann noch ein „Ist ’ne tolle Sache“ abringt. In der „Textile Future Show“ im KaDeWe will die Textilindustrie schließlich zeigen, dass ihre innovativen Ideen für die Zukunft unser aller Begeisterung verdienen.

Manches, was Firmen mit schönen Namen wie „friendly sensors AG“ und „ITP GmbH – Gesellschaft für Intelligente Textile Produkte“, aber auch Bugatti und die Universitäten Regensburg sowie Wollogong (Australien) auffahren, wird sicher in nicht allzu ferner Zeit begeisterte Abnehmer finden. Zum Beispiel federleichte Jacken, Hosen, Handschuhe und Schlafsäcke, die auch bei extrem niedrigen Temperaturen wärmen, oder eine Joggingjacke mit eingebautem Walkman. Da geht es nicht ums Aussehen, denn das gleicht dem gängiger Sportkleidung, sondern um die Technologie.

Andere Produkte könnten eine Wohltat sein, wenn sie denn auf den Markt kämen. Wer den quälenden Juckreiz kennt, den Hauterkrankungen wie Neurodermitis auslösen können, wäre dankbar für Wäsche, die lindernd wirken und die Heilung fördern soll. Und weithin leuchtende Neonklamotten für die Disco oder Textilfasern, die weder Kantinendunst noch Kneipenqualm aufnehmen – warum nicht?

Bei der Jacke, die Elektrosmog abweisen soll, stutzt man allerdings. Heißt das, wie in der Show angedeutet, wir müssen uns keine Sorgen mehr um die Strahlung von Handys machen und können munter drauflos telefonieren? Müsste man sich den Stoff dann nicht vor allem um den Kopf wickeln? Und sollte man ihn beim Modell „anziehbarer PC“ aus elektronischen Geräten um Kopf, Hüften und Handgelenk nicht besser flächendeckend zum Einsatz bringen?

Kleidung, die beim Tragen kosmetische Wirkstoffe auf die Haut aufbringt, ein Gürtel, der Stubenhockern anzeigt, wann der Bewegungsmangel zu groß wird – ob die Welt das braucht? Ein bisschen kann der Mensch ja auch selbst auf seinen Körper achten. Und Kleidung mit Airbag wird hoffentlich nicht eines Tages zum Ersatz für nicht mehr bezahlbare Operationen ausgerufen.

„Textile Future Show“ im KaDeWe, 5. Etage, heute um 11, 12.30, 14.30, 16, 17, 18 Uhr, Sonnabend um 11, 12, 14 und 15 Uhr.

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