Berlin : Waffenbesitzer brauchen gute Führung

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Waffen und Munition lagen bei dem Sportschützen durcheinander, von getrennter und sicherer Aufbewahrung, wie es das Gesetz vorsieht, konnte nicht die Rede sein. Als das Ordnungsamt durch Zufall davon erfuhr, entzog es dem Mann die Waffenbesitzkarte. Dieser klagte dagegen – jetzt gab das Verwaltungsgericht der Behörde Recht: Ein Waffenschrank sei nicht an der Wand befestigt gewesen, auch Unbefugte hätten an Waffen und Munition gelangen können, urteilte das Gericht. Der Mann musste Pistolen, Munition und die zugehörige Lizenz abgeben. Dies ist kein Einzelfall. In rund 100 Fällen jährlich werde eine Waffenbesitzkarte wegen Unzuverlässigkeit eingezogen oder gar nicht erst erteilt, sagte Polizeisprecher Uwe Kozelnik. Die Zuverlässigkeit eines Waffenbesitzers ist schnell erschüttert – es genügt, wenn er betrunken Auto fährt oder stiehlt. Auch wer wegen Körperverletzung vorbestraft ist, erhält keine Waffenbesitzkarte.

Derzeit sind 14 000 Waffenbesitzkarten registriert, in die 47 750 Schusswaffen für Sportschützen und Sammler eingetragen sind. Außerdem wurden 780 Waffenscheine ausgegeben, etwa 95 Prozent davon für Wachschützer und Geldtransporteure. Aber auch Juweliere und Waffenhändler sind berechtigt, eine Waffe zum eigenen Schutz zu tragen. Die Waffenbesitzkarte berechtigt den Inhaber lediglich, die Pistolen, Revolver oder Gewehre unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen zum Schießplatz zu befördern und sie zu Hause aufzubewahren.

Alle fünf Jahre werden Waffenbesitzer überprüft: Auf Vorstrafen und damit auf ihre Zuverlässigkeit und ob die Voraussetzungen für die Erteilung einer Lizenz noch vorliegen. Personen, die zum eigenen Schutz eine Waffe tragen durften, müssen ihre Lizenz abgeben, wenn sich die Gefahr gelegt hat.

Ein knappes Dutzend Anträge auf Waffenscheine gehen monatlich beim Ordnungsamt ein, genehmigt werden pro Jahr ein oder zwei. Die Waffe muss geeignet sein, eine Gefahr abzuwehren. Da genügt nicht die Angst vor Einbrechern, weil man in einer einsamen und nachts unbeleuchteten Gegend wohnt. Das Haus kann mit technischen Mitteln gegen Einbruch gesichert werden. Auch Taxifahrer erhalten keinen Waffenschein. Denn Überfälle erfolgen in der Regel überraschend von hinten – keine Chance, eine Pistole zu ziehen und den Angreifer abzuwehren. Ganz abgesehen davon, dass dem Räuber noch eine scharfe Pistole in die Hände fiele.

Als Reaktion auf den Amoklauf von Erfurt verschärfte die Bundesregierung nun erneut das Waffengesetz. So dürfen Kinder erst ab zwölf Jahren den Schießsport ausüben. Das Mindestalter für den Erwerb von Waffen wird auch für Sportschützen von 18 auf 21 Jahre angehoben. Waffenkäufer unter 25 Jahren müssen sich einem medizinisch-psychologischen Test unterziehen und das Zeugnis beim Kauf vorlegen. Händler müssen Waffenkäufe innerhalb von 14 Tagen den Behörden melden. Werner Schmidt

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