Berlin : Wagenburgen: Bewohner werben um Toleranz

Juliane Schäuble

Sie kommen an diesem Wochenende aus ganz Deutschland angereist, mit oder ohne Wagen, um an den Berliner "Wagentagen" teilzunehmen, dem Treffen all der Menschen, die in Wohnmobilen, Zirkus- und Bauwagen wohnen. Die bunten Wagen sammeln sich mitten auf der Straße beim Alfred-Döblin-Platz und am Bethaniendamm. "Wir rechnen mit bis zu 500 Leuten", sagt Till Peters, Bewohner und Sprecher der Berliner Wagenburg "Laster- und Hängerburg". Die "Rollheimer" wollen auf ihre Situation aufmerksam machen, darauf, dass sie immer wieder vertrieben werden, dass sie nirgends dauerhaft legal leben dürfen und kriminalisiert werden. Mit "spektakulären Aktionen", Varieté und Konzerten wollen sie nun an diesem Wochenende um Toleranz für ihre alternative Lebensform werben.

Die erste Berliner Wagenburg entstand vor 20 Jahren in Kreuzberg. Nach dem Fall der Mauer gab es riesige brachliegende Flächen, ideal für die alternativen Wohnsiedlungen. Das hat sich geändert. Jetzt ist die Lage der Bewohner gerade mal wieder angespannt, das Thema scheint sich gut für den anstehenden Wahlkampf zu eignen. So hält der CDU-Innenpolitiker Roland Gewalt die Ansiedlungen für einen "Hort der Kriminalität".

Von ihrem alten Stellplatz in Friedrichshain vertrieben, haben sich die "Laster und Hänger" nach sechs Monaten des Vagabundierens nun am Alfred-Döblin-Platz in Kreuzberg niedergelassen. Doch auch hier werden sie nicht dauerhaft bleiben, es gibt keinen Wasseranschluss. Peters möchte "ein Gelände, für dessen längerfristige Nutzung wir einen Vertrag abschließen und auch Pacht bezahlen wollen".

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