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Wahl in Berlin : Verzählt - SPD verliert Direktmandat

Kurz vor Beginn der Sondierungsgespräche von SPD und Grünen in Berlin über eine künftige Regierungskoalition am Mittwoch wurden die Berliner Sozialdemokraten vom Verlust des Direktmandats überrascht.

von , und Martin Schwarzbeck
Das Wahllokal in der Prendener Straße in Lichtenberg.
Das Wahllokal in der Prendener Straße in Lichtenberg.Foto: Paul Zinken

Im Lichtenberger Wahlbezirk 107 wurden bei der Auszählung die Stimmenergebnisse von Grünen und Linken vertauscht. Das hat nach Auskunft der Landeswahlleiterin zur Folge, dass das Direktmandat in dem Lichtenberger Wahlkreis 1 nicht wie nach der Wahl verkündet an die SPD-Direktkandidatin Karin Seidel-Kalmutzki geht, sondern an Evrim Baba von den Linken.

Das bestätigten Geert Baasen, Leiter der Geschäftsstelle der Landeswahlleiterin dem Tagesspiegel. Er und Katrin Schoenecker aus der Geschäftsstelle verweisen darauf, dass die Ergebnisse als vorläufig gelten, bis am 6. Oktober das endgültige Wahlergebnis vom Landeswahlausschuss mitgeteilt wird.

Um die Sicherheit einer rot-grünen Mehrheit muss die SPD nach Baasens Einschätzung aber nicht bangen. Da Seidel-Kalmutzkis Direktmandat ein Überhangmandat war - die SPD hatte in Lichtenberg vier Direktmandate aber nur drei Grundmandate über die Zweitstimmen erreicht - werden nun nach dem neuen Stand auch Linken und Grünen jeweils ein Überhangmandat wieder abgezogen. Die Zahl der Abgeordnetensitze würde von 152 auf 149 reduziert. Somit wären die Mehrheitsverhältnisse im neuen Abgeordnetenhaus ähnlich wie vorher. Eine rot-grüne Koalition hätte demnach jetzt 76 Sitze - einen mehr als für die absolute Mehrheit nötig. 

Die meisten Parteien und ihre Kandidaten traf die Nachricht am Dienstagnachmittag völlig überraschend. Die Sozialdemokratin Karin Seidel-Kalmutzki, langjähriges Mitglied des Abgeordnetenhauses und als dessen mögliche nächste Präsidentin im Gespräch, hatte noch nichts von dem Fehler gehört, als der Tagesspiegel sie am Dienstag anrief. "Ich bin völlig überrascht", sagte sie. Sie ist nicht über die Liste abgesichert und wird nun wohl ihren Platz im Abgeordnetenhaus verlieren.

Die Linke Evrim Baba war allerdings am Dienstagnachmittag bereits von der Landeswahlleitung informiert worden. Sie wäre eigentlich über Platz 15 Landesliste eingezogen. Für die Linke ändert das nichts, nimmt sie an. Dennoch sagte Baba: "Ich freue mich sehr. Ich habe da fünf Jahre Arbeit reingesteckt, um dieses Direktmandat zu erringen und konnte mir das Ergebnis nicht erklären."

"Ich hatte mich schon sehr über die vielen Stimmen gewundert", sagte der grüne Direktkandidat für den betroffenen Wahlkreis 1 in Lichtenberg, Bartosz Lotarewicz am Dienstag dem Tagesspiegel. Der Wahlbezirk 107 sei traditionell eine Hochburg der Linken. "Hätte das Ergebnis gestimmt, wäre das wirklich eine sehr positive Überraschung für uns gewesen." Er habe aber schnell geahnt, dass es sich nur um einen Fehler handeln könne, als er das Ergebnis mit den völlig anderen Stimmen für die BVV-Wahl verglichen habe. Verärgert über die verantwortlichen Wahlhelfer ist Lotarewicz aber nicht. "Wir sind doch alle nur Menschen, da kann so etwas einfach passieren."

Am Donnerstag trifft die Berliner SPD zu Sondierungsgesprächen mit der CDU zusammen, die 39 Sitze erringen konnte und mit der die SPD über eine komfortablere Mehrheit verfügen würde.

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