Berlin : Wahl in den Bezirken (6): Steglitz-Zehlendorf: Der grüne Südwesten sieht schwarz

Katharina Körting

Von allen Bezirken hat Steglitz-Zehlendorf die wenigsten Probleme mit der Fusion. "Ich war nicht begeistert von der Reform, weil es nur um Einsparungen ging", sagt der CDU-Bezirksbürgermeister Herbert Weber, "aber das ist ganz gut gelaufen." Auch die anderen Parteien haben die Fusion als recht friedfertig erlebt - das verwundert kaum angesichts der Ähnlichkeit der beiden Ortsteile: Wenig soziale Probleme, ein hohes durchschnittliches Nettoeinkommen, viele Bewohner über 65 Jahre, viel Grün, starke CDU.

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Die Christdemokraten stellen vier von sechs Stadträten. Bislang versucht die grüne und rote Opposition mehr schlecht als recht, etwas gegen den übermächtigen politischen Gegner auszurichten - und kämpft eher gegeneinander als gegen die CDU. Ein Profil zu entwickeln, ist in Steglitz-Zehlendorf - besonders für die Grünen - umso schwieriger, als die CDU im "grünen Bezirk" das Umweltthema längst für sich entdeckt hat. Um jeden zu fällenden Baum wird in der BVV heiß gestritten. Auf 80 Prozent der Straßen gilt Tempo 30. Auch die SPD kann mit ihren traditionellen Themen - Armut, soziale Gerechtigkeit, Jugendarbeitslosigkeit - kaum punkten in einer Region, deren Bewohner materiell zum großen Teil ganz gut da stehen. Fast scheint es, als seien die Sozialdemokraten dankbar, dass es wenigstens ein paar soziale Brennpunkte mit randalierenden Jugendlichen und schlecht gestellten Ausländern gibt, um die es sich zu kümmern gilt: die Hochhaussiedlung Lichterfelde Süd oder den Ladiusmarkt. Aber damit hat es sich fast schon. "Viele wollen in diesem feinen Bezirk keine Jugendprobleme sehen", sagt Klaus Kugler, Fraktionsvorsitzender der SPD und Spitzenkandidat.

Die SPD ist zwar, anders als die CDU, gegen den geplanten vierspurigen Ausbau der B 101 in Steglitz Süd, doch beim Thema Anhalter Bahn in Lichterfelde, wo man sich mit der Deutschen Bahn um Lärmschutzmaßnahmen streitet, ziehen die Sozialdemokraten mit der CDU ebenso an einem Strang wie bei der Unterstützung von Jugend- und Sporteinrichtungen. "Die SPD hat hier immer gemeinsame Sache mit der CDU gemacht", klagt denn auch der stellvertretende grüne Fraktionsvorsitzende Cornelius Plappert. Er erwartet für die Grünen mehr als die 1999 erreichten 12,2 Prozent der Wählerstimmen. Und nicht nur er glaubt, dass die schwarze Vorherrschaft bei den kommenden Wahlen gebrochen wird. "Ich rechne mit deutlichen Verlusten für die CDU", sagt der SPD-Mann Kugler. Dann könne man über eine Zählgemeinschaft mit den Grünen nachdenken. Dann müsste die CDU, die in Steglitz und in Zehlendorf seit Beginn der 70er Jahre ohne Unterbrechung die Bürgermeister stellt, sozusagen auf die Oppositionsbank. Ob jedoch die Grünen einen SPD-Bürgermeister mitwählen würden, will zurzeit niemand beantworten. "Wir schauen mal, was man uns, auch personell, anbietet", sagt Irmgard Franke-Dressler, Spitzenkandidatin der Grünen.

Bürgermeister Weber, der aus dem Stand das Top-Ergebnis der letzten Wahlen parat hat (51,5 Prozent für die CDU), ist vorsichtig. "Wir arbeiten auf eine absolute Mehrheit hin", sagt er, "aber das ist ein ehrgeiziges Ziel." Seine Partei sei ja "im Moment gebeutelt, da gibt es Unsicherheiten." Noch dazu kratzen die Vorwürfe der Grünen, der Bürgermeister sei für mögliche Mauscheleien bei der Asbest-Sanierung des Steglitzer Kreisels verantwortlich, an seinem Image. Auch die Querelen der Investoren um das geplante Einkaufszentrum Rathauspassagen, das seit einem Jahr auf Eis liegt, sind nicht gerade förderlich. Weber kann nur hoffen, dass die von der Bankenkrise ausgelöste CDU-Misere auf Landesebene sich nicht allzu sehr auf die Südwest-Region auswirkt: "Wir haben hier einen guten Ruf."

Außerdem werde, als Bündnispartner, die FDP möglicherweise stärker als mit einer Verordneten aus den Wahlen hervorgehen. Die Wählergemeinschaft Unabhängiger Bürger (WUB) indes, ebenfalls mit einem Sitz vertreten, sei ein "Zehlendorfer Eigengewächs ohne Chancen". Das sieht Editha Stürtz-Frase, WUB-Spitzenkandidatin, anders: "Wir bekommen mindestens zwei Sitze." Ein Programm hat die WUB nicht, aber stolz ist Stürtz-Frase darauf, dass man sich "mit 50 Plakaten nur symbolisch am Wahlkampf mit seinen Worthülsen" beteiligt.

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