Berlin : Wahl in den Bezirken: Die Spitzen des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg

udo

Die Wahlen Vom 21. Oktober führten zu einer dramatischen Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse in der Bezirksverordnetenversammlung. PDS und SPD verbuchten deutliche Stimmgewinne, wobei die SPD allerdings den Vorsprung der PDS nur geringfügig verringern konnte. Die PDS liegt mit 17 Sitzen knapp vor der SPD mit 15 Sitzen. Bärbel Grygier (parteilos, für die PDS), geboren 1955 in Friedrichshain, wurde letztes Jahr gegen den Willen der CDU Bürgermeisterin in Friedrichshain-Kreuzberg und bekam vom Bezirksvorsitzenden der CDU ein Grabgesteck überreicht: Symbol für das Ende der Demokratie. "Das habe ich aber nicht angenommen", sagt sie, und heute bewundere sie den Sprung, den die CDU in ihrer Akzeptanz im letzten Jahr gemacht habe. Die PDS, der Grygier nicht angehört, errang damals zum ersten Mal in einem Bezirk mit Westanteil das Bürgermeisteramt. Die promovierte Mathematikerin und Psychologin Grygier arbeitete in den neunziger Jahren vor allem in der Gesundheitspolitik.

Zwischen 1992 und 1996 war Grygier Gesundheitsstadträtin in Höhenschönhausen, im Anschluss daran bis 2000 Bürgermeisterin des Bezirks. Das Dreierbündnis hievte Frau Grygier am Freitag erneut an die Spitze der Verwaltung, in der sie neben dem Personal auch für Kunst und Kultur zuständig ist. Lorenz Postler (SPD), geboren 1958 in Prenzlau, war in den letzten Wochen Rivale Grygiers um das Bürgermeisteramt, jetzt ist er ihr Stellvertreter. Außerdem behält er das Wirtschaftsressort, das Sozialressort allerdings, in dem er sich letztes Jahr Lorbeeren verdiente, musste er an die PDS abtreten. Postler begann bereits ein dreiviertel Jahr vor der Bezirksfusion, die Sozialämter der beiden ärmsten Bezirke Berline zusammenzuführen. Der gelernte Krankenpfleger und Streetworker war in der DDR-Opposition engagiert und seit 1992 Sozialstadtrat.

Der Grünen-Politiker Franz Schulz, geboren 1948 in Aschaffenburg, trat 1990 in die AL ein. Von 1996 bis 2000 war der promovierte Physiker Bürgermeister in Kreuzberg, damals wurde er vertretungsweise auch Baustadtrat: Ein Bereich, den er bald zu lieben begann. Seit Januar leitet er das einflussreiche Ressort für Bauen und Stadtentwicklung. Er ist heute der einzige Grüne in Berlin auf diesem Posten und versteht es, zwischen den Interessen der Unternhemen und der Bürger zu vermitteln. Die Partizipation der Einwohner an neuen Projekten liegt im am Herzen, seine Arbeit konzentirert sich u.a. auf die Entwicklung des Spreeraums zwischen den beiden Bezirken, zwischen Oberbaum- und Schillingbrücke. Die Grünen hatten landesweit ihr bestes Ergebnis bei den Bezirkswahlen in Friedrichshain-Kreuzberg erreicht, obwohl der neue Bezirk nunmehr deutlich größer ist als ihre traditionelle Hochburg Kreuzberg. Dennoch büßte ihr Fraktion im Vergleich zu PDS und SPD einige Sitze ein und stellt 13 Bezirksverordnete.

Die 48-jährige Cornelia Reinauer (PDS) aus Baden-Württemberg kam 1975 nach Berlin und arbeitete lange in der Kreuzberger Stadtbibiliothek. In die PDS trat sie 1997 ein. Die ehemalige Jugendstadträtin leitet nun das Gesundheitsressort; außerdem übernahm sie das Sozialressort von Lorenz Postler. Sie hat Erfahrung mit dieser Kombination, denn beide Bereiche leitete sie bereits im Bezirksamt Marzahn.

Michael Schäfer (CDU), geboren 1958 in Berlin, war bisher Stadtrat für Finanzen sowie stellvertretender Bürgermeister. In der neuen Verwaltung wird er für Schule und Bildung zuständig sein. Der studierte Jurist und Historiker leitete zwischen 1998 und 2000 den Stab der Innensenatoren Jörg Schönbohm und Ekhard Werthebach. Grygier lobt seine Verdienste als Finanzstadtrat: "Er hat es verstanden, den irrwitzigen Haushalt von Friedrichshain-Kreuzberg zu strukturieren." Die CDU war der alleinige Verlierer bei der Bezirkswahl und fiel von einer gegenüber SPD, PDS und Grünen ungefähr gleichstarken Position auf weniger als die Hälfte der Sitze dieser Parteien zurück. Sigrid Klebba (SPD), 1955 in Schwäbisch-Gmünd geboren, ist das einzige neue Mitglied der Verwaltung im Fusionsbezirk. Sie übernimmt das Jugendressort von Cornelia Reinauer. Die gelernte Sozialarbeiterin kam 1978 nach Berlin und arbeitete im Weddinger Jugendamt. 1994 wechselte sie in den Bezirk Köpenick, wo sie u.a. Fachbereichsleiterin für die Familienhilfe war. Mitglied der BVV Freidrichshain-Kreuzberg ist sie seit 1995. Dort war sie zuletzt Vorsitzende des wichtigen Jugendhilfeausschusses. Vor ihrer Wahl kündigte sie an, dem Leitbild der SPD, nämlich sozialer Gerechtigkeit, treu bleiben zu wollen. Mit 31 Stimmen erhielt sie aber das schlechteste Abstimmungsergebnis.

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