• Wahl-Serie: Sicherheit - Das sagt der Experte: "Gute Sicherheit ist strategisch aufgestellt"

Wahl-Serie: Sicherheit - Das sagt der Experte : "Gute Sicherheit ist strategisch aufgestellt"

Aufgabe der Landesebene sei es, nicht allein mehr Ressourcen zu schaffen, sondern zu entscheiden, wo und wie diese eingesetzt werden, sagt Claudius Ohder, Professor für Kriminologie.

Polizeieinsatz. Foto: Paul Zinken/p-a/dpa
Polizeieinsatz.Foto: Paul Zinken/p-a/dpa

Claudius Ohder, Professor für Kriminologie an der Berliner Fachhochschule für Wirtschaft und Recht, vermisst eine ernsthafte Debatte über die Sicherheit in Berlin. Man streite über „Platzhalter-Themen", an denen man eine bestimmte Haltung demonstrieren könne. So habe er von seinen Studenten, angehenden Kriminalpolizisten, zum Beispiel gehört, dass es rechtsfreie Räume gar nicht gebe.

Diskussionen zum Beispiel über die Kriminalität nicht-integrierter Flüchtlinge gehörten auf die bundespolitische Ebene, sagt Ohder - eine Anspielung auf die Kommentare von Innensenator Frank Henkel etwa zu dem Anschlag von Ansbach („Wir haben offenbar einige völlig verrohte Personen importiert...“). Aufgabe der Landesebene sei es, nicht allein mehr Ressourcen zu schaffen, sondern zu entscheiden, wo und wie diese eingesetzt werden.

"Gute Sicherheit setzt Prioritäten"

„Tausend Polizisten mehr sind noch gar nichts. Tausend Polizisten richtig eingesetzt, sind super“, sagt der Kriminologe. Die Polizei entwickele gute Ideen und Ansätze.Wichtig wäre es aber, diese Ideen auch zu evaluieren und eine stärkere Konkurrenz der Ideen zuzulassen.

Vermisst Strategien: Claudius Ohder, Professor für Kriminalistik. Foto: Promo
Vermisst Strategien: Claudius Ohder, Professor für Kriminalistik.Foto: Promo

Berlin verändere sich wahnsinnig schnell; vor allem werde der öffentliche Raum ganz anders genutzt als vor zwanzig Jahren. Die Polizei müsse in der Lage sein, diese Veränderungen „zu lesen, zu verstehen“, sagt Ohder - und entsprechende Konzepte anzubieten. Gerade im öffentlichen Raum, der heute so gern und intensiv genutzt werde, seien Menschen angreifbar. „Da ist der Schutzbedarf am höchsten“, so Ohder, „der muss anders wahrgenommen werden durch die Polizei“.

Auch deshalb haben Gewalttaten etwa im Görlitzer Park oder auf dem RAW-Gelände an der Revaler Straße besonders hohe Aufmerksamkeit. „Gute Sicherheit ist eigentlich eine, die versteht, die Prioritäten setzt, strategisch aufgestellt ist und nicht unbedingt Muskeln zeigt“, sagt der Kriminologe.

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