Berlin : Wahlanfechter Werner Schulz scheitert In Pankow landet der Grüne weit abgeschlagen

-

Alle Sympathiebekundungen haben nichts genutzt. Mehr als 3000 EMails und Briefe, die vielen Schulterklopfer an den Wahlkampfständen und der „Kultstatus unserer Wahlkampf-Shirts“ konnten nicht verhindern, dass der grüne Direktkandidat Werner Schulz in Pankow nur 12,7 Prozent der Erststimmen holte. Die Neuwahl, die Schulz nicht wollte, hat ihn sein Bundestagsmandat gekostet.

15 Jahre lang saß der gebürtige Zwickauer für Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag – acht Jahre als parlamentarischer Geschäftsführer, ab 1998 dann als wirtschaftspolitischer Sprecher. Der grüne Mandatsträger lehnte Schröders Neuwahl-Pläne vehement ab, klagte vor dem Bundesverfassungsgericht. Und teilte kräftig aus: Der Kanzler flüchte sich aus der Verantwortung wie Lafontaine 1999, die rot-grünen Abgeordneten müssten ihm folgen „wie Lemminge“, der Bundestag weise Parallelen zur DDR-Volkskammer auf. Für seine Widerworte wurde Schulz von der Parteispitze zum „selbstgerechten Querkopf“ gestempelt, die Pankower Bezirksgrünen überredeten ihn dagegen zu einer Erststimmen-Kampagne. Die einzige Chance für den 55-Jährigen, doch noch in den Bundestag zurückzukehren, nachdem ihm ein aussichtsreicher Platz auf der Landesliste verwehrt worden war. Die politische Zukunft von Schulz ist ungewiss. Grünen-Landeschef Till Heyer-Stuffer jedenfalls glaubt nicht, dass sich Schulz mit der Klage seine Zukunft verbaut hat. Schulz selbst sieht seine Situation „äußerst entspannt“. Endlich habe er Zeit, sein lange geplantes Buch zu schreiben: Über 15 Jahre Zusammenwachsen von Ost und West soll es gehen – am Beispiel seiner eigenen Partei. sle

0 Kommentare

Neuester Kommentar