Berlin : Wahlkampf: Contra: Nein, denn Lähmung schadet der Demokratie

Brigitte Grunert

So groß die Erschütterung über den Anschlag auf die Vereinigten Staaten ist, so beklemmend die Ungewissheit über die Folgen sein mag: Das Leben geht weiter. Jeder Leidgeprüfte richtet sich daran auf, will er sich nicht selbst aufgeben. Das gilt auch für die Politik. Es war richtig, den Wahlkampf zum Zeichen der Trauer ruhen zu lassen. Aber er muss nun wieder aufleben.

Zum Thema Ted: Soll der Berliner Wahlkampf eingestellt werden? Erstens ist er gar nicht zu stoppen. So realistisch muss man das sehen. Die Politiker sind nicht plötzlich taubstumm. Sie melden sich so oder so zu Wort, immer mit dem Blick auf den 21. Oktober. Der Regierende Bürgermeister hat seinen Amtsbonus. Das ist ein Vorteil, von dem er und seine SPD profitieren können. Wieso also sollten alle anderen schweigen? Die CDU hat ja schon ihre Großplakate mit Trauerbekundungen beklebt. Hat sie sich keine Wahlwerbung dabei gedacht? Also die Politiker sollen nicht durch die Hintertür auf Stimmenfang gehen. Lassen wir sie offen argumentieren.

Zweitens, allerdings, kommt es auf den Stil an. Keine Partei ist gehindert, ihre Aktivitäten und Themen dem Ernst der neuen Wirklichkeit anzupassen. Bisher war nicht viel außer Show und Klamauk. Tiefgang statt Tralala, das wäre gut. Insofern hat die Besinnungspause hoffentlich heilsame Wirkung.

Drittens sind Wahlen ein zutiefst demokratischer Vorgang. Man kann doch nicht kopflos sagen: Wir müssen die demokratischen Spielregeln aussetzen, weil uns so schwer ums Herz ist. Einmischung ist gefragt. Lähmung schadet dem Gemeinwesen; das könnte dem Terror so passen.

Kurzum: Es wäre falsch, den Wahlkampf aus Pietät abzublasen; manierlich soll er verlaufen.

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