Berlin : Wahlkampf: Gregor Gysi

Bewertet von Harald Martenstein

Die Ausstrahlung
Bewertet von Harald Martenstein
Sein Sex-Appeal beruht auf einer Doppelstrategie. Einerseits ist Gysi natürlich super-intelligent, aber Intelligenz törnt die Wähler normalerweise ab. Intelligenz macht ihnen Angst, oder macht sie neidisch. Intelligenz wirkt ruchlos und gerissen. Deswegen ist ein Politiker wie Heiner Geißler nie ganz oben angekommen. Gysi macht sich deshalb klein. Er vollzieht pausenlos Demutsgesten. Schaut mal, wie harmlos ich bin!

Die Überzeugungskraft
Bewertet von Gerd Appenzeller
Wer hätte das gedacht: Gregor Gysi zeigt Nerven! Die Gleichsetzung von SED und PDS ärgerte ihn, den Vorwurf zu kontern, gelang ihm nicht so richtig. Einen Satz wie "Sozialismus und Diktatur schließen sich aus" sollte er aus seinem Repertoire streichen. Da lachen die Leute nur. Gysi muss lernen, von Dingen zu sprechen, die die Leute nachvollziehen können. Vergleiche Berlins mit Bologna und Marseille bringen nichts.

Die Gesprächskultur
Bewertet von Lorenz Maroldt
Der Dialektiker. Mal beleidigt, mal belehrend, mal provozierend und am liebsten immerzu redend, dabei die Moderatorin ignorierend, also für eine Fünferrunde unerträglich. Gysis Masche: Er verkehrt jedes Argument, das ihm nicht passt, so absurd ins Gegenteil, bis es für einen Moment als Gegenargument plausibel erscheint und den eigentlichen Punkt vergessen lässt ("Die CDU hat den Westen vernachlässigt").

Der Unterhaltungswert
Bewertet von Bernd Matthies
Zorro im Mädchenpensionat: Wen soll er erstechen? Also erblasst der größte PDS-Politiker aller Zeiten in Routine, fuchtelt genervt mit dem Degen in der Luft herum und gibt ein paar gut abgehangene Ausweichmanöver zum Besten, dicht verpackt in dünne Selbstironie. "So kriegen Sie mich nicht!", sagt er einmal, als die Fragen wieder besonders substanzlos hereinkommen. Den Zuschauer hat er so auch nicht gekriegt

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