Berlin : Wahlkampf: Günter Rexrodt

Bewertet von Harald Martenstein

Die Ausstrahlung
Bewertet von Harald Martenstein
Er schäkert kurz mit Gysi. Ausgerechnet mit der roten Gefahr! Ein Geniestreich. Dadurch wirkt er unverkrampft und offen. Ein lieber Onkel, der auch den unartigen Kindern mal ein Stück Schokolade gibt. Aus seinen Möglichkeiten - er ist nun mal kein Paradiesvogel - holt er das Beste heraus. Seine Jovialität und Solidität wirken immerhin echt. Der ist zwar kein Popstar, der Hallen füllt, aber er verstellt sich wenigstens nicht.

Die Überzeugungskraft
Bewertet von Gerd Appenzeller
Für mich der Gewinner des Abends. Rexrodt sprach sehr nüchtern, argumentierte ausgesprochen fair und dennoch glasklar. Seinen Satz "Wir haben saubere Hände" sollte er zur Standardformulierung machen, das kam gut an. Achtung: Lange Sätze sind gefährlich, wenn man sie nicht auch zu Ende führen kann. Das ist eine Konzentrationssache, und die lässt im Laufe der Sendung nach. Außerdem ermüden sie den Zuhörer.

Die Gesprächskultur
Bewertet von Lorenz Maroldt
Der Überhebliche. Mit 2,2 Prozent im Rücken drängt Rexrodt in den Mittelpunkt. Schaltet blitzschnell um von anbiedernd auf pöbelnd und weiter zu charmierend. Redet immer wieder einfach drauflos, unterhält sich aufreizend laut und lange nett mit Gysi, während andere gefragt sind, und düpiert so die Moderatorin. Selbstgefällig, dröhnend. Sein stärkstes Argument: Die FDP war nicht in der Großen Koalition.

Der Unterhaltungswert
Bewertet von Bernd Matthies
Eine Ein-Mann-Partei mit zwei Gesichtern. Wie er erst gentlemanesk dahergönnert, dann aber abrupt polemisch lospoltert (und erst Millimeter vor der verdutzten Moderatorin eine Vollbremsung hinlegt), das zeigt hohe professionelle Qualität, belegt den fortwährenden Nutzen alter Fahrensmänner und ist lustiger als erwartet. Rein unterhaltungstechnisch ist der ewige Koalitionär der knappe Sieger einer lauen Runde.

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