Wahlkampf in Berlin : Die CDU hat ihr Wahlprogramm verfilmt

Die Berliner CDU startet ein Experiment und bringt ihr Wahlprogramm auf die Leinwand. Die schlechten Umfragen sieht die Partei mit einer "gewissen Lockerheit".

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Im Film - hier ein Screenshot der Partei - macht die CDU ihrem Koalitionspartner SPD schwere Vorwürfe.
Im Film - hier ein Screenshot der Partei - macht die CDU ihrem Koalitionspartner SPD schwere Vorwürfe.Foto: promo

Die CDU dreht ab. Um den Berlinern zu ersparen, ein 120 Seiten dickes Wahlprogramm zu lesen, haben die Christdemokraten ihre Konzepte für den Wahlkampf zur Berliner Wahl am 18. September verfilmt. Ein Jahr lang wurde daran heimlich gearbeitet, jetzt liegt das Werk fast fertig vor. Am 15. Juli, nachdem ein Landesparteitag das politische Drehbuch beschlossen hat, wird der Film im Kino Delphi uraufgeführt, ist anschließend in bezirklichen Filmtheatern zu sehen und wird vor allem im Internet präsentiert. Bisher hat die Partei nur Screenshots mit einzelnen Aussagen vorgestellt.

Der Film zeigt das Programm in Kapiteln

"Wenn man in den sozialen Medien Leute erreichen will, dann über bewegte Bilder", begründete der CDU-Wahlkampfmanager Thomas Heilmann am Mittwoch die ungewöhnliche Idee. Die Union wolle alle Zielgruppen erreichen und nicht nur jene 30 Prozent der Bevölkerung, die sich für Politik interessierten. Die Forderungen der CDU in ihrem Wahlprogramm 2016 sind kapitelweise abrufbar. 30 bis 40 Parteimitglieder haben sich als Darsteller zur Verfügung gestellt. Auch der CDU-Landeschef und Spitzenkandidat Frank Henkel und der Fraktionschef Florian Graf. "Es ist ein Experiment", sagte Heilmann. Seiner Einschätzung nach hat es weltweit noch kein verfilmtes Wahlprogramm gegeben.

Kämpft gegen schwache Umfragewerte: Innensenator und CDU-Chef Frank Henkel.
Kämpft gegen schwache Umfragewerte: Innensenator und CDU-Chef Frank Henkel.Foto: dpa

Der CDU-Generalsekretär Kai Wegner sprach von politischem Public Viewing, das sei doch "eine nette Form", mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Die öffentlichen Filmvorführungen werden deshalb mit Diskussionsveranstaltungen verknüpft. Die drei wichtigsten Themen, mit denen die Landes-CDU bei den Berliner Wählern punkten will, sind Bildung, innere Sicherheit sowie Wirtschaft und Arbeit.

Parteichef Henkel gab sich optimistisch - obwohl in Umfragen die Partei hinter SPD und Grünen liegt. "Wir sind trotz mäßiger Umfragen gut gelaunt und freuen uns auf den Wahlkampf", sagte er. Er sehe die Ergebnisse der Meinungsforscher (derzeit 18 Prozent für die Union) mit einer "gewissen Lockerkeit". Die CDU setzt offenbar darauf, dass sich viele Wähler erst in den letzten Tagen vor der Wahl entscheiden, welcher Partei sie ihre Stimme geben. "Zurzeit wissen 15 Prozent der Berliner nicht einmal, das am 18. September Wahlen sind", so Henkel.

Gedruckt gibt es das Programm auch

Wer es trotzdem lesen will – das CDU-Wahlprogramm wird auch in gedruckter Form und als Textdatei vorliegen. In welcher Form auch immer, sagte Wegner: „Wir wollen die Menschen mit Sachpolitik erreichen anstatt durch Stimmung und Bauchgefühl“. Dialog statt Monolog sei die Devise. Nun hoffen die Christdemokraten auf eine flächendeckende Verbreitung ihrer Botschaften auf allen Kanälen. „Wir werden einen guten Wahlkampf machen, die Partei ist motiviert und auch die Plakate sind gut“, so die optimistische Einschätzung Henkels. Im bevorstehenden Wahlkampf müssten auch „neue Wege zu den Bürgern zu finde“ gefunden werden.

Vor fünf Jahren hatte die Union versucht, ihr Wahlprogramm an Kiosken zu verkaufen. Der große Renner war das nicht. „Etwa 6000 Bürger waren bereit, für unser Programm Geld auszugeben“, erinnerte sich Henkel. Diesmal bemühte sich die CDU darum, mit einer „Bürgerwünsche-App“ schon im Vorfeld abzufragen, für welche Themen sich die Berliner am meisten interessieren. Und siehe da: Die Themen Bildung, innere Sicherheit und Bekämpfung des Extremismus sowie Wirtschaft und Arbeit lagen vorn. Dieser Trend floss nun in das Wahl-Drehbuch ein. Eine „spannende Angelegenheit“, meinte Spitzenkandidat Henkel.

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