Wahlkampf in Berlin : Die Grünen haben die buntesten Plakate

Unserer Autorin Helke Ellersiek fehlt im Wahlkampf nur eines mehr als Inhalte: Kunst.

Helke Ellersiek
Ein Wahlplakat von Ströbele in der Skalitzer Strasse in Berlin-Kreuzberg. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Ein Wahlplakat von Ströbele in der Skalitzer Strasse in Berlin-Kreuzberg.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Auf deutschen Wahlplakaten geht der Trend seit Jahren zu viel leerer Fläche. Auch die aktuellen Plakate zur Bundestagswahl sehen meist so aus: Porträt des Spitzenkandidaten, im besseren Fall mit Photoshop zu Tode bearbeitet (meist CDU), im schlechteren Fall mit ungesunder Gesichtsfarbe auf weißem Hintergrund (oft Linke, manchmal SPD). Darunter ein flotter Spruch der aneckt, wie „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“ (wer errät’s?), nach dem Motto: Sie kennen mich. Immerhin steigt mittlerweile die Fotoqualität – meist parallel zum Wahlkampfbudget.

Das aktuelle Wahlplakat von Canan Bayram. Foto: Wahlplakat der Grünen
Das aktuelle Wahlplakat von Canan Bayram.Foto: Wahlplakat der Grünen

Die Grünen werden zur Wahl bunt

Seltener als Inhalte oder Ästhetik findet man auf den Wahlplakaten der vergangenen Jahre eigentlich nur eins: Kunst. Die Satirepartei „Die Partei“ ist da fein raus, die sind ja eh irgendwie Kunst. Als einzig etablierte Partei aber haben die Kreuzberger Grünen erkannt, dass sich Plakate mit viel Wahlprogramminhalt zum Alleinstellungsmerkmal gemausert haben.

Zum vierten Mal in Folge haben sie am Mittwoch ein Comic-Plakat vorgestellt. Canan Bayram, die bislang für die Grünen im Abgeordnetenhaus sitzt, bewirbt sich damit um das einzige grüne Direktmandat Deutschlands, das seit 2002 Christian Ströbele innehatte. Der tritt jetzt aus Altersgründen nicht mehr an. Auf dem Plakat von Künstlerin Steff Stefanidad findet ein verweilender Betrachter Forderungen von „Keine Rendite mit der Miete“ über „Legalize Shit“ bis hin zu „Ich will später älter werden und nicht früher ärmer“. Fast 40 Stichworte für Forderungen auf einem Plakat: so viel findet manch ein Politiker (Grüne eingeschlossen) nicht mal in einstündigen Redemanuskripten.

Ein altes Wahlplakat von Christian Ströbele. Foto: Wahlplakat der Grünen
Ein altes Wahlplakat von Christian Ströbele.Foto: Wahlplakat der Grünen
Christian Ströbele als Comic - auf seinem Wahlplakat. Foto: Wahlplakat der Grünen
Christian Ströbele als Comic - auf seinem Wahlplakat.Foto: Wahlplakat der Grünen
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