Wahlkampf in Berlin : Elefantenrunden - oder lieber nicht?

Im Wahlkampf ist nur noch eine Fernsehrunde der Kandidaten geplant. Ist das ausreichend? Diskutieren Sie mit.

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Ausstrahlung ist gefragt. Im Wahlkampf ist nur noch eine Fernsehrunde der Kandidaten geplant.
Ausstrahlung ist gefragt. Im Wahlkampf ist nur noch eine Fernsehrunde der Kandidaten geplant.Foto: picture-alliance/ dpa, Montage: Thomas Mika

Vor sechs Wochen trafen die Spitzenkandidaten der fünf im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien das erste Mal aufeinander. Landesfrauenrat und das Netzwerk „Meet me in Mitte“ luden die Fünferrunde ins Ritz-Carlton ein. Ende August plant der öffentlich-rechtliche Sender RBB eine zweite „Elefantenrunde“. Ob es noch weitere große Runden geben wird?

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist skeptisch. „Ich schließe Fünferrunden nicht generell aus. Aber ich möchte daran so selten wie möglich teilnehmen, denn sie sind wenig effektiv. Aber ich scheue die Auseinandersetzung nicht.“ Diese Haltung haben auch andere Kandidaten. Spitzenkandidat Harald Wolf von der Linken sagt: „Fünferrunden sind kompliziert.“ Er plädiert für mehrere große Runden, die thematisch aufgeteilt sind. Das fordert auch FDP-Spitzenkandidat Christoph Meyer. „Eher schwierig“ sieht CDU-Herausforderer Frank Henkel das Fünfer-Format. Es gebe zu wenig Chancen, sich selbst zu positionieren. „Ich verweigere mich diesen Runden nicht, lege aber Wert darauf, dass die Spitzenkandidaten diskutieren und keine Stellvertreter“, sagt Henkel und meint damit das Zusammentreffen mit Wowereit. Die „Augenhöhe“ mit dem Amtsinhaber betont auch das Team um Grünen-Herausforderin Renate Künast. Wahlkampfmanager Heiko Thomas wiederholt gern, dass „Frau Künast der Auseinandersetzung mit Wowereit nicht aus dem Weg geht“.

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Elefantenrunden stehen und fallen mit der Moderation. Sie können Zuschauer langweilen oder in den Bann ziehen wie 1976, als Helmut Schmidt (SPD), Helmut Kohl (CDU) und Franz-Josef Strauß (CSU) im Wahlkampf zusammentrafen. Die Kandidaten beschimpften, beleidigten und beschuldigten sich. Und es lag Spannung in der Luft. „Für den Wähler ist es notwendig, alle Kandidaten auf einmal zu sehen. Er braucht in Zeiten von Koalitionslotterien einen Markt an Möglichkeiten“, sagt Karl-Rudolf Korte, Politikwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen. Korte plädiert für mehrere Elefantenrunden, auch wenn dramaturgisch ein Duell einfacher umzusetzen sei. Zurzeit plant der RBB zwei TV-Duelle: Wowereit gegen Henkel und Wowereit gegen Künast.

Die Geschichte des TV-Duells begann 1960 in den USA, als John F. Kennedy und Richard Nixon gegeneinander antraten. Erst 42 Jahre später kam es 2002 zwischen Gerhard Schröder (SPD) und Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) zum ersten deutschen Duell. Elefantenrunden vor der Wahl dagegen gab es schon 1972. Vor der Abgeordnetenhauswahl 2001 diskutierten einmal zusammen die Kandidaten Wowereit, Frank Steffel (CDU), Günter Rexrodt (FDP), Sibyll Klotz (Grüne) und Gregor Gysi (damals PDS) im ZDF. Vor fünf Jahren gab es im RBB eine einzige TV-Debatte vor der Wahl: Wowereit gegen Friedbert Pflüger (CDU).

Die witzigste Elefantenrunde moderierte übrigens Werner Höfer 1965 nach der Wahl zu nächtlicher Stunde im Frühschoppen-Stil mit Wein auf dem Nierentisch und vor leeren Sesseln. Gekommen war kein einziger Politiker. Höfer stellte vor, wer wo hätte Platz nehmen sollen und verabschiedete sich winkend: „Gute Nacht und guten Morgen!“

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