Wahlkampf in Kreuzberg-Friedrichshain : Hundetrainer gegen Christian Ströbele

Frank Di Leo ist Hundetrainer aus Kreuzberg, er kandidiert im Wahlkreis 83. Der Politneuling will Kiezlegende Christian Ströbele verdrängen - entspannt und mit lustigen Chihuahua-Plakaten.

Moritz Herrmann
Ein Mann, ein Hund: Frank Di Leo will die Hundesteuer abschaffen.
Ein Mann, ein Hund: Frank Di Leo will die Hundesteuer abschaffen.Hundefreunde Kreuzberg

Es nieselt, windet, grau hängt der Himmel über Berlin. Hundewetter. Gassigehwetter. Wahlkampfwetter? Frank Di Leo leint Huskydame Kaya an und biegt in die Straßen, die seit 1983 sein Kiez sind und jetzt auch sein Wahlkreis. Auf Liste 83 kandidiert er, an vorletzter Stelle, eingeklemmt zwischen den Violetten und einem parteilosen Student, hat dafür eine Initiative gegründet – die Hundefreunde Kreuzberg. Frank Di Leo sagt: „Ich will, dass Hunde endlich integriert werden.“ Kaya niest, einmal, zweimal, dreimal. Warum, bitte, Hunde? „Weil das Thema politisch nicht besetzt war. Und weil ich mit Hunden aufgewachsen bin, immer Hunde hatte." Merkt man. Befahrene Straße, er strafft die Leine. Platz, Kaya! Halten, warten, gucken. Und weiter. Etliche Spaßparteien tummeln sich im Berliner Wahlkampf, aber Frank Di Leo meint es ernst, auch wenn er klamaukig plakatiert hat. Von seinen Postern äugt ein Chihuahuawelpe, daneben der Spruch: „Wenn ich groß bin, werd ich Bundeskanzler ...“ Herrchen grinst. Bisschen Spaß muss sein. Kanzleramt, vielleicht später, erst mal soll es im Viertel klappen. „Den Ströbele ablösen. Das ist doch das Ziel.“

Frank Di Leo ist in Steglitz aufgewachsen, er zog früh zu Hause aus, wohnte mal hier, agitierte mal da. Eine Hausbesetzerbiografie. Heute trainiert er Hunde, nebenberuflich, und vertreibt Flyer, Werbung, Drucke, hauptberuflich. Der Gedanke, sich wahlpolitisch zu engagieren, keimte 2010. Der 46-Jährige fühlte sich von den verschärften Hundegesetzen in Friedrichshain-Kreuzberg diskriminiert.

Lobbyist in eigener Sache

Diese verbaten Hunden den Auslauf auf vielen Grünflächen im Viertel, am Boxhagener Platz genauso wie auf der Weberwiese. Bei Zuwiderhandlung drohte ein Bußgeld, oder gleich der Platzverweis. Eine alte Dame, die sich im Zuge des Verbots sogar angezeigt sah, wandte sich an Di Leo. Der Angesprochene brachte Anträge in die Bezirksversammlung ein, fand aber keine Lobby und wurde deshalb seine eigene. „Wenn die Politik nix macht, muss man selbst was machen.“

Er spricht ihn, den Jargon des kleinen Mannes. Steuerzahlerrhetorik. Die da oben, wir hier unten. Ein Kleinkind fingerzeigt glucksend auf Di Leos Husky, Kaya tut nichts. Will aber auch nicht spielen. Also weiter, zur Revaler Straße, hier stellt sich ein junger Mann in den Weg, wedelt mit seinem Hut. „Ey, paar Cent über?“ - „Nee, null.“ Dabei hat Frank Di Leo beim Stimmenfang gespart, nur 2000 Poster kleben lassen. Nervige Überpräsenz ist ihm nicht vorzuwerfen. Keine Rundbühne. Keine Telefonaktion. Auch kein Fußgängerzonenstand. Warum? „Keine Zeit.“ Wahlkampf unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Di Leo war froh, überhaupt zugelassen zu werden, erst seit August widmet er sich der Wahl. Immerhin, der Politneuling muss sich nicht an alten Ergebnissen messen. Er kann also nur dazugewinnen. Komfortable Nulldrucksituation.

Mit "Hundefreunde Kreuzberg" fordert Frank Di Leo die Abschaffung der Hundesteuer, ein sozialverträgliches Miteinander von Hund und Mensch, mehr Hundeplätze, grünen Auslauf und vor allem: weniger Verbote. Wie viele Stimmen das beim Urnengang bringt? Berlin ist auch Hundehauptstadt, mehr als 100 000 Tiere sind hier angemeldet. Di Leo lädt Kaya in seinen Sprinter, verstaut mit Sorgfalt das Halsband, Spaziergang vorbei, Regen auch. „Also, eine Stimme mindestens. Ich habe mich ja selbst gewählt.“


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