Berlin : Wahlkampf: Kein Sieger beim TV-Gipfel - aber alle gegen Gysi

Brigitte Grunert

Wer gewinnt am 21. Oktober die Hauptstadt? Zum ersten Mal traten die Spitzenkandidaten von SPD, CDU, Grünen, PDS und FDP gemeinsam zum Schaukampf an - Donnerstagabend im ZDF.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wehrte gleich die erste Frage ab, wieso ihn Frank Steffel einen "deformierten Charakter" genannt hat: "Fragen Sie ihn, das ist ein Niveau, auf das ich mich gar nicht einlasse." Der CDU-Kandidat gab gerne Auskunft: Wowereit habe ihm noch wenige Stunden vor dem Bruch der Großen Koalition gesagt, die halte bis 2004.

Nur einmal ging Wowereit aus der Reserve, als ihm Günter Rexrodt (FDP) vorwarf, er zeige nur auf Klaus Landowsky und Eberhard Diepgen, aber beide Volksparteien seien "verfilzt" und hätten "die Karre in den Dreck gefahren". Die FDP sei die neue Kraft. Erregt rief der Regierende: "Sie sind ein ganz alter FDP-Mann!" Nur kenne man die FDP nicht. Rexrodt mochte aber auch "keine Sympathie für den Filzladen CDU" bekunden.

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Berlin vor der Wahl Der 35-jährige Steffel gab zu: "Wir haben Fehler gemacht, die sich nicht wiederholen dürfen". Die CDU trete aber verjüngt mit neuen Köpfen an. Sibyll-Anka Klotz (Grüne) konterte, die CDU zeige keinerlei Verantwortung für die Bankenaffäre und Haushaltskrise. Da bestehe doch ein Unterschied zwischen der SPD und der "Partei der Spendenkoffer" und "Amigo-Affären".

Gysi beteuerte gegen alle Attacken (nur Wowereit schwieg), dass er mit der PDS eins sei. Frau Klotz piekte: "Wo Gysi draufsteht, ist PDS drin." Rexrodt legte nach: "Ihre Partei arbeitet in weiten Teilen auf die innere Einheit nicht hin. Sie argumentieren anders, als die Seele Ihrer Partei tickt." Und Steffel: "Für uns ist die innere Einheit Herzenssache", die PDS treibe Missbrauch. Gysi empfahl die PDS als Partei der inneren Einheit. Darauf Steffel: "Die Stadt ist geeint, nur Sie werden noch im Osten gewählt!"

Belustigt konterte Gysi Vorhaltungen, die PDS wolle mehr Sozialismus: "Ich will Regierender Bürgermeister einer kapitalistischen Metropole werden!" Da ging Wowereit demonstrativ auf Distanz: Der Gysi wolle nur Wahlkampf machen, aber kein Parlamentsmandat annehmen. Ob sich die CDU im Wahlkampf auf die SPD oder die PDS als Hauptgegner konzentriere, wollte die Moderatorin Maybrit Illner wissen. Steffels Antwort: "Jedenfalls kein Wahlkampf, der die Stadt spaltet". Er habe "menschlich sehr emotionale Bindungen" zum Osten.

Wowereit bekannte sich zur Verantwortung der SPD in der Großen Koalition - also, zu den guten Leistungen. Doch "sie war gelähmt, da musste man sich trennen". Nun würden die Probleme nicht mehr ausgesessen. Er verteidigte seine Politik der Strukturveränderungen, der Lösung der Bankenkrise und der Haushaltssanierung. Dafür brauche man den Dialog mit klugen Köpfen, Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften und einen "Mentalitätswandel". Er versprach harte Arbeit, "keine Schönwetterpolitik".

Dagegen hatte niemand etwas. Für Steffel ist die zentrale Frage der "bürgerlich-liberale Gesellschaftsentwurf". Sonst gehe "die Attraktivität der Stadt zurück". Rexrodt will einen "Wettbewerb um die national und international besten Köpfe" in Berlin garantieren. Will Steffel auch, aber Rexrodt ließ offen, mit welcher Volkspartei er koalieren könnte. Gysi ist für "Einsparungen, aber gerechte", und für einen Dialog, "was der Zweck der Hauptstadt ist". Sagt Wowereit auch immer. Er blieb bei der SPD-Absage an "diese CDU". Wie Frau Klotz will er Rot-Grün fortsetzen, wenn es dafür nicht reicht, notfalls mit der PDS, die er "nicht will". Steffel fand: "Wowereit streut den Wählern Sand in die Augen. Sie haben keine Möglichkeiten ohne die PDS."

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