Wahlkampf : Künast lässt die Hüllen fallen

Die Spitzenkandidatin der Grünen stellt ihre Wahlkampagne vor: Die Partei setzt auf die Schwerpunkte Bildung, Arbeit und Klima. Mit einem Budget von 1,1 Millionen Euro ist es der bisher teuerste Wahlkampf der Berliner Grünen.

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"Da müssen wir ran": Zum Beispiel an das Thema Unterrichtsausfall. Renate Künast stellt ihre neue Wahlkampagne vor.
"Da müssen wir ran": Zum Beispiel an das Thema Unterrichtsausfall. Renate Künast stellt ihre neue Wahlkampagne vor.Foto: dpa

Auf dem Buffet sind alle möglichen Koalitionsfarben zu sehen: rote und schwarze Zuckerbrombeeren, rot-grüne Weingummikirschen, Kiwischeiben neben gelben und grünen Paprikastücken, grüner Käse und aufgespießter Mozzarella mit Basilikum und Tomate. Das Essen soll zur Vorstellung der Wahlkampfkampagne einstimmen, zu der die Grünen am Mittwoch in die Kreuzberger Räume der Agentur „Zum Goldenen Hirschen“ eingeladen hatten.

Spitzenkandidatin Renate Künast kommt mit einer Viertelstunde Verspätung zur Präsentation und zeigt sich „gut gerüstet“ durch eine Vielzahl von Gesprächen mit vielen Bürgern für den Wahlkampf. „Zentrale grüne Botschaften“ wolle ihre Partei verbreiten, sagt Künast. Auf Plakaten mit dem Slogan „Da müssen wir ran“ werben die Grünen um ihre inhaltlichen Schwerpunkte Bildung, Arbeit und Klima.

Renate Künast
Kämpft sie noch oder gewinnt sie schon? Wohl eher ersteres: In den Umfragen stürzten die Grünen in der Wählergunst spürbar ab.Weitere Bilder anzeigen
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09.09.2011 21:33Kämpft sie noch oder gewinnt sie schon? Wohl eher ersteres: In den Umfragen stürzten die Grünen in der Wählergunst spürbar ab.

Diese Kernpunkte würden die „Probleme des Alltags“ treffen. Doch werde Berlin nicht gut regiert, so dass das Land bei der Arbeitslosenquote oder der Zahl der Schulabbrecher im bundesweiten Vergleich „Träger der roten Laterne“ sei. Das Land habe zudem versäumt, durch Ansiedlung neuer Unternehmen für zusätzliche Arbeitsplätze zu sorgen. Die drei grünen Kernpunkte im Wahlkampf, nämlich Bildung, Arbeit, Klima, sollen die „Probleme des Alltags“, so Künast, treffen.

„Viele Berliner mögen zwar die Performance des Regierenden Bürgermeisters, sind aber unzufrieden mit der Arbeit des Senats“, sagte die Spitzenkandidatin an die Adresse von Klaus Wowereit gerichtet. Es reiche nicht aus, Probleme wahrzunehmen. Man müsse sie auch lösen. „Sehen, anpacken, lösen und den Finger drauflegen“ lautet das Wahlversprechen der Grünen-Kandidatin. Sie will im Wahlkampf den Senat „mit Politik, nicht mit dem Image“ konfrontieren.

Um ihr Wahlziel, in Berlin stärkste Partei zu werden, zu erreichen, führen die Berliner Grünen den bisher teuersten Wahlkampf: 1,1 Millionen Euro umfasst das Budget, nicht eingerechnet sind Spenden. Wahlkampfmanager Heiko Thomas erwartet noch einmal rund 100 000 Euro an gespendetem Geld. Ab dem 1. August werden die Grünen in Berlin rund 50 000 Plakate platzieren. Bis zur letzten Minute am 18. September werde der Wahlkampf geführt, sagte Thomas. Er kündigte weitere Aktionen an, bei denen Berliner mit einbezogen werden, ohne Details zu nennen.

Die Kreuzberger Werbeagentur „Zum Goldenen Hirschen“ organisiert mit zwei Jahren Unterbrechung seit 2001 Grünen-Wahlkämpfe. Eine realistische Wählerklientel von 25 bis 30 Prozent in Berlin einzubinden, sei für sie eine große Herausforderung, sagte Hans-H. Langguth, einer der Geschäftsführer.

Am Mittwoch stellten die Werber die ersten sechs Plakate mit dem Slogan „Da müssen wir ran“ und Motiven über Arbeit, Strom, Wohnraum, Schule vor. Ein großes Porträtfoto von Künast wird auch platziert. Die Spitzenkandidatin wirbt darauf mit den Worten „sozial und gerecht“. In einer Umfrage schnitt Künast mit 48 Prozent deutlich vor Klaus Wowereit mit 23 Prozent ab. Allerdings nur in der Frage, wer sich stärker für soziale Gerechtigkeit einsetze.

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