Berlin : Wahlkampf: So haben sich die Kandidaten vor der Kamera geschlagen: Klaus Wowereit

Bewertet von Harald Martenstein

Die Ausstrahlung
Bewertet von Harald Martenstein
Jetzt gibt er den Staatsmann. Wowereit lehnt sich zurück, schweigt, betont gelassen. Gemessene Bewegungen. Wowereits Schmunzeln hat allerdings etwas Spitzbübisches, einen listigen Charme: Seht her, ich nehme das alles nicht so furchtbar ernst. Als er plötzlich ausgerechnet den freundlichen Rexrodt anblafft, kommt das beim Publikum nicht gut an. Es ist ein Stilbruch. Staatsmänner tun so was nicht.

Die Überzeugungskraft
Bewertet von Gerd Appenzeller
Klaus Wowereit tut sich schwer, wenn er konkret werden soll und machte Punkt, wo er instinktiv reagieren kann. Dann parierte er geschickt und wirkt humorvoll und durchaus auch überzeugend. Sobald er polemisch wird, ist diese positive Ausstrahlung, gerade vor einem parteipolitisch gemischten Publikum wie in der Fernsehsendung, wie weggeblasen. Einem Regierenden Bürgermeister verzeiht man diesen Stil nicht.

Die Gesprächskultur
Bewertet von Lorenz Maroldt
Der Scheinempörte. Wowereit spricht wenig dazwischen. Sein Trick, wenn ihn ein Vorwurf trifft (hier: die Mitverantwortung der SPD am Bankenskandal): Aufplustern, abwinken, ablenken, attackieren - und dann wieder kokettieren ("Ich schaue lieber Ihnen in die Augen" - zu Maybritt Illner; "Sie sind ja ein ganz Lieber" - zu Günter Rexrodt). Verbissen locker und immer streng an der Sache vorbei.

Der Unterhaltungswert
Bewertet von Bernd Matthies
Diepgens Rache. Im Amtszimmer schwebt offenbar ein Geist, der jeglichen Nachfolger unabhängig von der Parteizugehörigkeit alsbald in die pomadige Ätsch-Ihr-kriegt-meinen-Job-sowieso-nicht-Pose verfallen lässt. Spurenelemente von Lockerheit und dezenter Süffisanz erinnern an Kanzler Schröder, doch es mangelt seinem Berliner Adepten entschieden an dessen brünftiger Dickhäutigkeit.

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