Berlin : Wahlkampf: Steffel will Berlin ein "rotes Schicksal" ersparen

Barbara Junge

Die Berliner Union steht hinter Frank Steffel. Mit 97 Prozent der Delegiertenstimmen wurde der 35-jährige CDU-Fraktionsvorsitzende am Sonntag zum Spitzenkandidaten der Union für die Wahlen im Herbst bestimmt. Von 344 Delegierten stimmten 328 für ihn, 10 Christdemokraten votierten gegen Steffel, 2 enthielten sich der Stimme. Mit der Nominierung ihres Spitzenkandidaten auf einem Sonderparteitag hat die Union am Sonntag ihren Wahlkampf eröffnet.

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Berlin vor der Wahl "Ich bin fast sprachlos", bedankte sich Steffel bei den Delegierten: "aber das Wort kriege ich gerade noch hin: aus vollem Herzen: Ja." Er werde bis zur letzten Stunde dafür kämpfen, dass "unsere Heimatstadt Berlin" von der CDU regiert werde. "Ihr könnt Euch auf mich verlassen."

Seine Rede nach der Wahl nutzte Steffel für scharfe Angriffe gegen die Berliner SPD. Er wolle verhindern, dass die SPD, die einen "Pakt mit den Kommunisten" geschlossen habe, Berlin einem "marxistischen Experiment" ausliefere. Es gehe darum, Berlin "ein verheerendes rotes Schicksal" zu ersparen. Der Übergangssenat sei ein "Untergangssenat". Mit einem Acht-Ziele-Paket, dass er dem Parteitag vorstellte, will Steffel die Wahlen im Oktober - allen für die CDU derzeit negativen Umfragetrends zum Trotz - doch noch gewinnen. Er wolle, dass sich in einem toleranten Berlin jeder geborgen fühle, ob jung oder alt, ob im Kiez oder am Computer. Jeder junge Mensch sollte einmal den Wunsch verspüren, in Berlin zu leben, die ganze Welt soll sich um die Absolventen der Schulen und Universitäten Berlins reißen und alle Eltern auch jenseits europäischer Grenzen ihre Kinder zum Studium nach Berlin schicken wollen. Als vierte Zielgruppe sprach Steffel die Existenzgründer an. Jedes Unternehmen müsse eine Adresse in Berlin haben und auch die Künstler in die deutsche Hauptstadt ziehen. Diese Ziel will Steffel in fünf Jahren verwirklichen. "Wenn wir das an die Berlinerinnen und Berliner herantragen, dann werden wir am 21. Oktober um 18 Uhr eine riesige Überraschung erleben", prophezeite ein engagierter Steffel einem euphorisierten Parteitag. Er beharrte zugleich auf den von der CDU vorgeschlagenen Wahltermin 21. Oktober.

Die bundespolitische Bedeutung der Wahl hatte zuvor der CDU-Landesvorsitzende Eberhard Diepgen betont. "Es geht um den Weg der Republik", sagte Diepgen. Auch das schriftliche Grußwort der Bundesvorsitzenden Angela Merkel - die nach den Querelen um die mögliche Kandidatur Wolfgang Schäubles selbst nicht erschienen war - hatte eine klare Aussage: "Diese Stadt steht vor einer Richtungsentscheidung, die ganz Deutschland angeht: Auf der einen Seite ein Linksbündnis aus SPD, Grünen und PDS, auf der anderen Seite die CDU als Partei der Mitte. Denn eines ist klar: Es gibt nur eine politische Mitte in diesem Land, und die heißt CDU."

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