Wahlkreisserie zur Bundestagswahl : Kopf-an-Kopf-Rennen in Spandau

In Wahlbezirk Spandau-Charlottenburg-Nord liefern sich Swen Schulz (SPD) und Kai Wegner (CDU) seit Jahren einen harten Konkurrenzkampf.

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Berlin-Spandau: Der Ort an dem Spree und Havel aufeinandertreffen.
Berlin-Spandau: Der Ort an dem Spree und Havel aufeinandertreffen.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Von der Neustadt mit ihrem traditionell hohen Anteil an Bewohnern mit Migrationshintergrund über die Großsiedlungen Falkenhagener Feld und Heerstraße-Nord sowie die Industriegebiete Haselhorst und Siemensstadt bis zum ländlichen Gatow und dem vornehmen Kladow.

Kaum ein Bezirk hat eine solche Vielfalt zu bieten wie Spandau, dem als Bundestagswahlkreis auch der Teil Charlottenburgs nördlich der Spree zugeschlagen wurde. So unterschiedlich wie die Bevölkerungsgruppen der einzelnen Ortsteile ist auch das Stimmverhalten, von der SPD dominierten Neustadt bis zur CDU-Hochburg Kladow.

Wahlkreis Spandau. Für die komplette Grafik auf das rote Kreuz klicken.
Wahlkreis Spandau. Für die komplette Grafik auf das rote Kreuz klicken.Foto: Tsp

Mit 3523 Hektar bestehen fast 40 Prozent der Gesamtfläche von Spandau aus Wald, Grünanlagen (einschließlich Campingplätzen) und Wasser. Doch nicht alles ist Idylle. Von den wahlberechtigten Bewohnern im Wahlkreis sind 37,3 Prozent über 60 Jahre alt, aber nur 8,6 Prozent unter 25. Nicht alle sind freiwillig an den westlichen Stadtrand gezogen.

Jeder Vierte unter 65 ist Hartz-IV-Empfänger, so mancher musste umziehen, weil die Mieten anderswo explodiert sind. Nur in Spandau und Marzahn-Hellersdorf gibt es noch Wohnungen für unter sechs Euro Miete pro Quadratmeter. 57,4 Prozent der Wohnungen befinden sich in einfacher Wohnlage, die Arbeitslosenquote des Bezirks Spandau pendelt bei elf Prozent.

Welches Duell wird spannend?

Traditionell ist die Wahl in Spandau eine Persönlichkeitswahl. Im Bundestag ist der Wahlkreis seit vielen Jahren doppelt vertreten. Swen Schulz (SPD) und Kai Wegner (CDU) begannen beide ihre Politkarriere in der Bezirksverordnetenversammlung und genießen ein hohes Ansehen im Bezirk. Schulz zog 2002 erstmals in den Bundestag ein und festigte seine Position drei Jahre später mit dem Rekordergebnis von 46,8 Prozent. Wegner kam 2005 über die Landesliste seiner Partei erstmals ins Parlament und konnte dann 2009 und 2013 den Wahlkreis knapp gewinnen, während Schulz sein Mandat über die Landesliste behielt. Auch in diesem Jahr liefern sich die Kandidaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Doch egal wer gewinnen wird, um seine politische Zukunft muss sich auch der diesjährige Verlierer keine Gedanken zu machen. Beide sind parallel auf dem zweiten Listenplatz ihrer Parteien abgesichert.

Bezirksstatistik Spandau.
Bezirksstatistik Spandau.Foto: Tsp

Hat man hier überhaupt eine Wahl?

Keine Aussicht auf einen Platz im Bundestag haben die Kandidaten der übrigen Parteien. Die Grünen schicken Bettina Jarasch ins Rennen. Die damalige Landesvorsitzende kandidierte im vergangenen Jahr noch in Pankow erfolglos für das Direktmandat und zog über die Landesliste ins Berliner Abgeordnetenhaus ein. Für die FDP bewirbt sich der Bezirksvorsitzende Paul Fresdorf. Die Linkspartei hat den Schüler Manuel Lambers aufgestellt. Die AfD schickt ihren frischgebackenen Stadtrat für Facility Management, Umwelt- und Naturschutz, Andreas Otti, ins Rennen. Nur Manuel Lambers befindet sich auch auf der Landesliste seiner Partei, allerdings auf dem wenig aussichtsreichen, zwölften Platz. Und dann treten noch Direktkandidaten von drei Kleinparteien in Spandau an: Rhavin Grobert (Die Partei), Jens-Eberhard Jahn (ÖDP) und Chaker Araki (MLPD).

Was ist das Skurrilste aus dem Wahlkampf?

Setzte sich Kai Wegner bei früheren Wahlen gerne mit Frau und Sohn ins Bild, ist er in diesem Jahr auf den Hund gekommen. Labrador „Casper“ wirbt nicht nur auf Großplakaten zusammen mit seinem Besitzer um das Vertrauen der Wähler, sondern geht mit dem Christdemokraten in den Spandauer Hundeauslaufgebieten bei anderen Herrchen und Frauchen auf Stimmenfang. Ohne seinen Vierbeiner war Wegner kürzlich an der Kasse eines Supermarktes anzutreffen, der den Umsatz seines einstündigen „Praktikums“ – stolze 1400 Euro – zu gleichen Teilen einer Kinderklinik und einer Behindertenwerkstatt spendete.

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