Wahlpartys in Berlin : Sie feierten und trauerten bis in die Nacht

Nicht überall, wo in Berlin am Sonntagabend Wahlparty draufstand, war auch Party drin. Eindrücke unserer Reporter.

Vor allem bei den Sozialdemokraten war die Stimmung im Willy- Brandt-Haus und bei den bezirklichen Wahlfeiern gedämpft – auch bei jenen Kandidaten, die zumindest wegen des eigenen Abschneidens Grund zur Freude hätten. „Es ist ein fürchterlicher Abend“, sagte Eva Högl, erfolgreiche SPD-Direktkandidatin in Mitte. Sie feierte und trauerte zugleich mit ihren Genossen im Lindengarten am Nordufer. Zwar freue sie sich, dass sie selbst weiter im Bundestag sitzt – aber das „desaströse“ Ergebnis ihrer Partei beschere ihr doch sehr gemischte Gefühle.

Euphorisch hingegen die Stimmung bei den CDU-Wahlfeten quer durch die Stadt. „Als die Ergebnisse kamen, brach die Hölle los“, berichtet der CDU-Politiker Andreas Gram von der Feier mit seinen Reinickendorfer Parteifreunden im bezirklichen Ratskeller. Vor allem wegen des Erfolgs von Direktkandidat Frank Steffel sei die Stimmung „grandios“.

In der Luisenstraße in Mitte platzt die Wahlparty der Berliner FDP im „Weinkultur Habel“ aus allen Nähten. Aus 200 erwarteten Gästen sind am Ende 480 geworden. „Ein sensationelles Ergebnis“, sagt Landeschef Markus Löning, während die Jungen Liberalen im Hintergrund „So sehen Sieger aus“ singen. Spitzenkandidat Martin Lindner war bis eben noch hier, jetzt feiert er vor den Fernsehkameras weiter. Hellmut Königshaus, als Dritter der Landesliste sicher drin, feiert mit der Basis weiter. Der große Erfolg sei „zugegebenermaßen überraschend“ gewesen.

Ginge es nur um das eigene Ergebnis, dann wäre an diesem Abend bei den Berliner Grünen, die ihre Wahlparty am Postbahnhof feiern, die Freude wahrscheinlich riesengroß. Denn sie haben ihr bisher bestes Ergebnis eingefahren. „Die Berliner Grünen haben bundesweit eine Vorbildfunktion“, sagt Ramona Pop, stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus. Aber ein Wermutstropfen ist dennoch, dass man bundesweit nur fünftstärkste Kraft geworden ist. Und: „Schwarz-Gelb haben wir uns alle nicht vorstellen können“, sagt Pop.

Auch bei den Linken überwog auf der Wahlparty in der Kulturbrauerei an der Schönhauser Allee die Freude. Das lag auch am guten Abschneiden der Berliner Bundestagskandidaten. „Es wäre Wahnsinn, wenn wir wirklich zu fünft ins Parlament einziehen würden“, sagt Petra Pau, die wieder souverän ihren Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf gewann. Doch viel Zeit zum Händeschütteln und Schulterklopfen bleibt ihr nicht. „In meinem Wahlkreisbüro muss die Hölle los sein“, sagt sie und macht sich auf den Weg in den Nordosten. „In Berlin haben wir Linke offensichtlich so gute Arbeit geleistet, dass die Wähler uns so viel Vertrauen schenkten“, freut sich Stefan Liebich. Als kurz nach 22 Uhr bekannt wird, dass er Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sogar den Wahlkreis Pankow abgenommen hat, feiern ihn die Genossen euphorisch. (tha/ste./sik/lvt)

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