Berlin : Wahlsplitter: Geschichten des Tages

Morgens kurz nach acht in Wilmersdorf: Die Straßen sind leergefegt, Brötchenholer werden nass. Zwei alte Damen schieben ihre Rollatoren gen Wahllokal. „Na ja, es ist ein Ausflug, so kommt man wenigstens mal raus“, sagt die eine zur anderen.

Im Wahllokal 310 in Lichterfelde wurde um eine Flasche Schampus gewettet, dass in der ersten Stunde niemand kommt. Der Edel-Sekt muss geschlossen bleiben: Bis 9 Uhr waren schon sieben Wähler da. Das Wahlhelferteam ist dasselbe wie zur Bundestagswahl. „Aber damals sind wir keine Minute zum Quatschen gekommen!“ Um die Stimmung muss man sich hier nicht sorgen.

Letzte Beratung vor der Tür der Albert- Einstein-Volkshochschule in Schöneberg: „Gut, dass ich dich hier treffe“, sagt eine Frau zu ihrem Nachbarn, „sag mir noch mal schnell, worum es jetzt eigentlich geht!“ – „Ob die Energieversorgung in privater oder öffentlicher Hand liegt.“ – „Und was ist besser?“ Es folgt eine Tirade an Belehrungen.

Wenn es um die Demokratie geht, soll niemand vor verschlossener Tür stehen: „Liebe Hausbewohner, Sie werden herzlich gebeten, die Haustür am Wahlsonntag geöffnet zu halten, damit die Bürger ihr Wahlrecht ausüben können!“, heißt es auf einem Zettel am Ausgang zweier Wahllokale.

Im Wahllokal 108 in Kreuzberg wird ein Wähler seine Stimme nicht los: Er hat sich als Briefwähler registrieren lassen, will nun doch vor Ort wählen. Das geht nicht. Eine Ja-Stimme weniger. Dabei wäre es im Sinne der Initiatoren doch wirklich auf jede angekommen. Tsp

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