Berlin : Wahlsplitter

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Theoretisch könnte sich Klaus Wowereit mit der Bildung einer neuen Regierung viel Zeit lassen. Bis zur Wahl und Vereidigung eines neuen Senats amtiert der alte weiter. Das neue Abgeordnetenhaus könnte in seiner ersten Sitzung neben dem Parlamentspräsidenten auch den Regierenden Bürgermeister wählen - es muss aber nicht.

Die höchste Wahlbeteiligung gab es mit 84,3 Prozent im Wahlkreis Reinickendorf 6 - also dort, wo der CDU-Kandidat Frank Steffel hieß. Im Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg 7, wo Klaus Wowereit antrat, waren es immerhin noch überdurchschnittliche 75,5 Prozent. Generell geht der Westen lieber wählen als der Osten. Die ersten 17 Plätze mit der höchsten Beteiligung liegen in den Westbezirken, erst auf Platz 18 (mit 73,3 Prozent) folgt Marzahn-Hellersdorf 5 - wo Gregor Gysi antrat.

Die wenigsten Erststimmen bekam die Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands (APPD): 186 Stimmen.

Der älteste Abgeordnete ist FDP-Mitglied. Der 73-jährige Wolfgang Jungnickel wird deshalb aller Voraussicht nach am 29. November als Alterspräsident die erste Sitzung des neu gewählten Abgeordnetenhauses eröffnen. Elf Abgeordnete sind jünger als 30 Jahre, davon vier bei der CDU und je zwei bei SPD, PDS und FDP, eine bei Bündnis 90 / Die Grünen. Die grüne Abgeordnete unter 30 Jahren ist zugleich auch die jüngste im neuen Landesparlament. Sie heißt Ramona Pop und ist 24 Jahre alt.

Insgesamt 13 Abgeordnete wurden mit mehr als 50 Prozent der Erststimmen direkt gewählt. Dabei handelt es sich ausnahmslos um Kandidaten der PDS. Kandidaten mit mehr als 60 Prozent der Stimmen gab es diesmal hingegen nicht. Bei der Wahl 1999 schafften diese Marge noch sieben Abgeordnete der CDU.

Die Frauen gehören auch dieses Mal nicht zu den Gewinnern der Wahl: Im künftigen Parlament wird es nicht mehr weibliche Abgeordnete geben als bisher. Die Zahl der Frauen unter den Mandatsträgern sank sogar leicht um einen Prozentpunkt. Damit sind 47 der insgesamt 141 Abgeordneten Frauen. Das ist genau ein Drittel der Parlamentarier. Den höchsten Frauenanteil haben wieder die Bündnisgrünen, CDU und FDP schicken mit je zwei Frauen die wenigsten weiblichen Abgeordneten ins neue Parlament.

Drei milzbrandverdächtige Briefe hat die Polizei am Sonntag in einem Wahllokal in einer Schule in der Dunckerstraße in Prenzlauer Berg gefunden. Die Entwarnung folgte umgehend: Bei der Substanz habe es sich um ein Betäubungsmittel gehandelt.

Vor allem Zeitungen aus der Schweiz haben den Wahlausgang als Indiz für die nach wie vor prägnante Ost-West-Teilung der Stadt gewertet. Die "Neue Zürcher Zeitung" schreibt: "Berlin - das ist noch immer eine geteilte Stadt. Hier die strahlende Hauptstadt ... dort die Niederungen eines kümmerlichen Konglomerats von Stadtbezirken, in denen eine Politik gemacht wird, welche kaum provinzieller sein könnte." Der "Tagesanzeiger" kommentiert: "Berlin ist elf Jahre nach der Vereinigung fast so gespalten wie zu DDR-Zeiten, die PDS zur einzigen Interessenvertretung des Ostens geworden."

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