Wahlverlierer : Avancen an den Gegner

Die Linken wollen sich den Sozialdemokraten annähern. An der Parteispitze gibt es einen Wechsel, Fraktionschef Scharfenberg will aber bleiben.

Potsdam - Nach der Niederlage ihres Kandidaten Hans-Jürgen Scharfenberg steht Potsdams Linke vor einem Umbruch. „Es wird eine personelle und strategische Erneuerung geben“, sagte Potsdams Linken-Kreischef Günther Waschkuhn. Der 60-Jährige will zum Neuanfang beitragen: Beim nächsten Parteitag werde er den 33-jährigen Sascha Krämer, bisher im Vorstand des Kreisverbands, als neuen Vorsitzenden vorschlagen. „Krämer ist jung, hat Politikerfahrung und kann Antworten auf Fragen der Zukunft formulieren.“ Ein Kandidat gegen Krämer zeichne sich bisher nicht ab. „Je schneller wir einen Personalwechsel hinbekommen, desto eher können wir uns wieder auf Inhalte konzentrieren.“ Die Linke müsse sich mehr an die SPD annähern, um deren „Zwangsehe“ mit CDU, Bündnisgrünen und FDP zu beenden, so Waschkuhn.

Scharfenberg, der Fraktionschef im Stadtparlament und Landtagsabgeordneter ist, sieht keinen Grund für persönliche Konsequenzen nach der Wahlniederlage. Er werde sich wie bisher in die Partei einbringen: „Ich mache das nicht, um mir selber zu gefallen. Ich kann mir mein Leben auch anders vorstellen.“ Für den Oberbürgermeister-Posten werde er aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr antreten: Wenn Jann Jakobs (SPD) die volle Amtszeit bis 2018 absolviert, sind beide Politiker 64 – zu alt für eine Kandidatur.

Auf die Frage, ob die Linke mit einem von Stasi-Verstrickungen unbelasteten Kandidaten mehr Erfolg gehabt hätte, sagte Scharfenberg, es sei nicht absehbar gewesen, dass „das Thema noch einmal aktuell wird“. Die Partei habe danach entschieden, wer „die besten Chancen“ habe. Zudem sei er sicher, „hätte es das Stasi- Thema nicht gegeben, um einen Linke- Oberbürgermeister zu verhindern, wäre es ein anderes Thema gewesen“.

Krämer selbst sagt, in der Partei sei ein „Umbruch“ nötig. Er stehe dabei für einen „sanften Übergang“. Sollte er Kreischef werden, sei er auf die Erfahrung auch der älteren Genossen angewiesen. Ferner kündigte er an, mit der SPD zusammenarbeiten zu wollen. Kommende Woche will der Linken-Kreisvorstand über die verlorenen Oberbürgermeisterwahlen beraten.

Auch in der Linke-Stadtfraktion wird das Personal gewechselt. Als sicher gilt, dass die Stadtverordneten Brigitte Oldenburg und Hella Drohla die Fraktion zugunsten von anderen Genossen verlassen. Dagegen will Urgestein Herbert Schlomm sich nicht aus der Fraktion verabschieden: „Ich übe mein Mandat weiter aus.“

Anlass für den Personalumbruch ist eine Absprache mit der Fraktionsspitze um Scharfenberg, dass die älteren Genossen nach etwa der Hälfte ihrer Amtszeit, die in dieses Jahr fällt, ihr Mandat zugunsten von jüngeren Nachrückern abgeben sollen. Scharfenberg sagte, die Stadtfraktion sei „fleißig dabei“, einen Generationswechsel voranzutreiben. Dies sei aber nicht einfach, durch die langjährig ehrenamtlich aktiven Stadtverordneten sei „etwas vorgegeben“. Tatsache sei leider auch, „dass junge Leute sich nicht massenhaft reißen, in die Kommunalpolitik zu gehen“. HK/SCH

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben