Berlin : Wahlwerbung: Auf Wahlplakate verzichten? CONTRA von Annette Kögel

Zum Thema Ted: Sollen Parteien auf Wahlplakate verzichten? Man muss Wahlversprechen ja nicht gleich so wörtlich nehmen wie Paul Unzufrieden. Der Elektriker aus Bitterfeld wollte 1996 doch den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl zwingen, den heimischen Garten "in eine blühende Landschaft" zu verwandeln. Halt, halt: Das war damals nur ein Medien-Scherz.

Wahlwerbung und ihre Inhalte sind es aber nicht. Politische Reklame mag langweilig sein. Mitunter nervt sie. Aber oft ist sie entlarvend. Denn die Art und Weise, wie Parteien versuchen, Wechselwähler und Unentschlossene durch Plakatierung für sich zu begeistern, lässt tief blicken. Und sensibilisiert den Wähler zugleich fürs potenzielle Einfordern nicht eingehaltener Wahlversprechen.

Die Sozialdemokratie musste sich schon oft im Nachhinein dafür rechtfertigen, dass sie letztlich doch bei Jugend, Schule oder Familie kürzte, obgleich Wahlplakate zuvor das Gegenteil versprachen. Andere Parteien stellen sich wegen kreativer Mittelmäßigkeit auf den Postern ins Aus. Ganz zu schweigen von den Republikanern. Sie disqualifizieren sich durch platte Ausländer-Raus-Parolen selbst.

Also: Unfug die Forderung, die Parteien sollten sich wegen Senats- und Finanzkrise bei der plakativen Balz beschränken. Stattdessen sollten sich die Parteien schlechterdings an die Vorgaben halten - und allein so viele Laternen und Straßenbäume bestücken, wie es ihnen erlaubt ist. Unfallgefahr im Straßenverkehr mangels Sicht? Auch das Argument zieht nicht - viele Plakate hängen sehr hoch. Also: Her mit der Plakatwahlwerbung - für den besseren Durchblick.

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