Wahnsinn : Die Ware ist das Ganze

Kerl, hat der 'nen Barthes: Dass ein Kollege körbeweise Fanpost und getragene Miederhosen zugesandt bekommt, weil er in der vergangenen Woche in unserer Samstagsbeilage eine Anspielung auf den Philosophen Jürgen Habermas in eine Neuköllner Supermarktszene einbaute – eine gute Sache! Zeit für uns, noch viel mehr Philosophen zwischen Wurst und Käse unterzubringen...

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Entscheidend ist, was rauskommt. Nicht alle haben was gegen Cicero.
Entscheidend ist, was rauskommt. Nicht alle haben was gegen Cicero.Foto: picture-alliance / dpa

„Entweder man marx – oder nicht!“ Dieser Satz konnte für die Rawlszutaten, die wir fürs Abendessen kaufen wollten, durchaus gelten. Die Fleischofferte des Tages – Cicero – wirkte ebenso ungenießbar wie der Gadamer aus der Käsetheke. „Deleuzet in mir Brechreiz aus“, sagte meine Frau. Als wir schließlich doch etwas ausgepiktet hatten – Süßmilch, Früchte vom Nussbaum, etwas Bacon, eine Kracauer und schließlich: die unvermeidlichen Leibniz-Kekse - fragten wir an der Kasse fromm und frei nach einem Nachlass.

Foucault of you, Kants! Es gibt kein richtiges Geben im Feilschen“, wies der Cassirer die Frege schroff zurück, während er Wurzelcamuse abwog, und war darauf sofort der Luhmann. „Ich klopp dir gleich ins Beckenbauer“, fuhr ich ihn an, wurde aber von der Seite zurechtgewiesen: „Philosophen, keine Menschen mit Spielphilosophien!“, erinnerte mich meine Frau. „Warte, ich hobbes gleich“, sagte ich zu ihr, und zu ihm: „Pass’ mal auf, Knecht Gumbrecht, ich senecanz blöde Situation auf dich zukommen!“

Dann geht alles schnell: Ich verbergson kleinen Buber unter meinem Leib, während der Cassirer mit einem Bolzanoschussgerät auf uns losgeht. „Versteck’ dich unter den Wurstplaton“, rufe ich meiner Frau zu, um sie vor größerem Übel zu beauvoiren. Doch der sichtlich Konfuze achtet gar nicht mehr auf uns. „Zizeke“, brüllt er und bedroht einen Typen mit Dreadlocken. „Ich bin nur ein schlecht frisierter Popper“, jammert der unter einem Feuerbach von Tränen.

Doch da passiert es: Der Cassirer muss nietzschen, „Husserl!“, rufe ich und hegel die Sache mit der Faust. Als die Marcusen vor seinen Augen runtergehen, bleibt ein klingender Melanchthon im Raum hängen und mischt sich mit dem „Diderot!“ der nahen Kirche. „Da singen die Engels, es ist alles in Luther“, freut sich der Benjamin einer Familie, deren Frauen Burken tragen, doch wir sind da schon weitergezogen, in ein honnethes Lokal: „Descartes, s’il-vous-plait“, sage ich zum Butler und bestelle zwei Habermas Bier.

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