• Wal-Mart zieht doch nicht an den Alex US–Handelskette kündigt Vertrag für die Rathauspassagen

Berlin : Wal-Mart zieht doch nicht an den Alex US–Handelskette kündigt Vertrag für die Rathauspassagen

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Der amerikanische Handelsriese WalMart hat seine Pläne für ein Einkaufszentrum in den Rathauspassagen am Alexanderplatz überraschend aufgegeben. Der Mietvertrag mit der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) wurde am Montag wegen „baulicher Risiken“ und „Zeitverzögerungen bei der Fertigstellung“ gekündigt. Der Vorsitzende der Geschäftsführung von Wal-Mart Germany, Kay Hafner, sagte gestern, man habe Planungssicherheit vermisst.

Nach seinen Worten ist seit zwei Jahren bekannt, dass „wegen der Tragkraft des Bodens Sicherheitsbedenken existieren“. Bisher sei aber keine zufriedenstellende Lösung gefunden worden. Außerdem habe der Bauherr die ursprünglich für Ende 2002 geplante Übergabe der Räume inzwischen auf das Frühjahr 2004 verschoben. Darüber hinaus gebe es für die Rathauspassagen noch nicht genügend Mieter, um den Standort zum attraktiven Einkaufscenter zu machen.

Bei der Wohnungsbaugesellschaft Mitte war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Die WBM modernisiert die zwei Gewerbebauten der Passagen derzeit für rund 50 Millionen Euro. Wal-Mart sollte in die erste Etage ziehen; das Parterre ist für Läden, Boutiquen und Gaststätten gedacht. Im Untergeschoss hat Anfang Dezember als erster neuer Mieter eine Bowlingbahn eröffnet. Außerdem entsteht ein Parkhaus mit 600 Stellplätzen. 360 Wohnungen über den Passagen waren bereits in den 90er Jahren saniert worden.

Unklar ist, ob der Rückzug der US-Handelskette mit der drohenden Konkurrenz durch das geplante Sonae-Center in der Nachbarschaft zusammenhängt. Eine Wal-Mart-Sprecherin wollte dies zunächst nicht bestätigen. Auf dem als „Banane“ bekannten Grundstück zwischen Alex und Jannowitzbrücke sollen die Bauarbeiten für das Center der portugiesischen Firma Sonae 2004 beginnen und zwei Jahre lang dauern.

Die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus und der Berliner Einzelhandelsverband warnen seit Monaten, das Projekt mit 36 000 Quadratmetern Verkaufsfläche werde anderen Zentren schaden. „Ich schließe nicht aus, dass die sich verändernde Wettbewerbssituation um den Alex für WalMart eine Rolle spielt“, sagte gestern der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands, Nils Busch-Petersen. Die Entscheidung sei ein wichtiges Signal dafür, dass es in vielen Teilen Berlin ein Überangebot an Verkaufsflächen gebe.

Wal-Mart ist in Berlin bislang mit einem großen Supermarkt in Neukölln vertreten; am Alex hatte das Unternehmen 20 000 Quadratmeter mieten wollen. Bundesweit gibt es 92 Filialen. Der Deutschland-Chef Hafner betonte, eine weitere Expansion innerhalb Berlins sei weiterhin angedacht. Die Firma werde „jeden Standort prüfen, der uns geeignet erscheint“ und dabei auch auf „citynahe Objekte“ achten.CD

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