Berlin : Wal-Mart zieht doch nicht an den Alex

US–Handelskette kündigt Vertrag für die Rathauspassagen – Streit um die genannten Gründe

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Der amerikanische Handelsriese WalMart hat seine Pläne für ein Einkaufszentrum in den Rathauspassagen am Alexanderplatz überraschend aufgegeben. Der Mietvertrag mit der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) wurde am Montag gekündigt. Geschäftsführer Kay Hafner von Wal-Mart Germany sagte, er vermisse Planungssicherheit.

Laut Hafner ist seit langem bekannt, dass „wegen der Tragkraft des Bodens Sicherheitsbedenken existieren“. Außerdem habe der Bauherr die für Ende 2002 geplante Übergabe der Räume auf das Frühjahr 2004 verschoben. Es gebe auch noch nicht genügend Mieter, um die Passagen attraktiv zu machen.

„Völlig überrascht“ zeigte sich der Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Mitte, Hartmut Moschner. Er sieht „keine Möglichkeit zum einseitigen Ausstieg“ aus dem Vertrag mit 15 Jahren Laufzeit. Notfalls müsse die WBM finanzielle Ansprüche stellen, um „jeglichen Schaden abzuwenden“. Der für Mitte März geplante Abschluss der Bauarbeiten könne sich durch die Suche nach einem Ersatzmieter verzögern. Die WBM baut die Passagen für 50 Millionen Euro um. Wal-Mart sollte in die erste Etage ziehen, das Parterre ist für Läden und Lokale gedacht. Im Untergeschoss hat eine Bowlingbahn eröffnet, dazu kommt ein Parkhaus.

Moschner wies die Argumente des Konzerns zurück. Die Übergabe der Räume sei frühestens für das diesjährige Weihnachtsgeschäft geplant gewesen. Auch die Tragkraft des Bodens sei kein Problem, es fehle nur ein Gutachten. Die Passagen seien schon zu 70 Prozent vermietet. Von knapp 24 000 Quadratmetern Fläche habe Wal-Mart 10 000 nutzen wollen.

Unklar ist, ob der Rückzug mit dem geplanten Sonae-Center in der Nähe zusammenhängt. Auf dem als „Banane“ bekannten Areal zwischen Alex und Jannowitzbrücke soll bald ein Center der portugiesischen Firma Sonae entstehen. Am Projekt ist auch die Wohnungsbaugesellschaft Degewo beteiligt. „Wir haben miteinander geredet und sehen keine Konkurrenz“, sagte WBM-Chef Moschner. Sonae wolle nur mittelgroße Geschäfte ansiedeln. Nils Busch-Petersen vom Einzelhandelsverband hält es durchaus für möglich, dass „die sich verändernde Wettbewerbssituation eine Rolle spielt“. Wal-Mart hat schon einen Großmarkt in Neukölln und will weiterhin „jeden geeigneten Standort“ prüfen.CD

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