Berlin : Waldorfschule muss Neubau nicht abreißen

Seit 2006 stand der beinahe fertig gestellte Erweiterungsbau der Rudolf-Steiner-Schule in Dahlem leer - wegen eines Streits mit den Nachbarn. Jetzt konnten sich die Streithähne auf einen Vergleich einigen. Der aber kommt die Schule teuer zu stehen.

Die Situation war grotesk: In der Rudolf-Steiner-Schule in Dahlem herrschte in den vergangenen Jahren extreme Raumnot, obwohl ein Erweiterungsbau seit 2006 nahezu fertig auf dem Gelände steht. Doch er durfte wegen Rechtsstreitigkeiten mit den Nachbarn nicht genutzt werden. Nun soll dieser Ausnahmezustand ein Ende haben. Zu Beginn der Sommerferien hat sich die Schulleitung mit den Nachbarn auf einen Vergleich geeinigt, der Neubau darf bezogen werden. Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU), dessen Kinder die Steiner-Schule besuchten, hat die Einigung maßgeblich vermittelt.

„Ab sofort werden die letzten Handwerksarbeiten erledigt“, sagt Friedrich Ohlendorf vom Trägerverein der Schule. „Noch vor Weihnachten wollen wir dort mit dem Unterricht beginnen.“

Gruppenarbeit in den Fluren, Hortbetreuung im Container – wie berichtet hatte die seit 1948 an der Clayallee ansässige Schule 2004 mit dem Bau des Erweiterungsgebäudes für ihre 770 Grund- und Oberschüler begonnen. Zehn Meter war der Bau von den Nachbargrundstücken entfernt. Gemäß Bauordnung hätten es nur 3,50 Meter sein müssen, doch die Nachbarn pochten auf zwanzig Meter Abstand, weil die Schule 1963 eine entsprechende Vereinbarung mit Anrainern getroffen hatte. Aus Sicht der Schulleitung war diese Absprache längst verjährt, doch die jetzigen Nachbarn erwirkten einen Baustopp und fochten ihre Position zwei Jahre lang bis zum Bundesgerichtshof (BGH) durch, der ihnen 2007 recht gab.

Bis zur Einigung sah es danach so aus, als müsse die Schule den 1,7 Millionen Euro teuren Neubau abreißen. Nun hat sich der Waldorf-Verein in einem Vergleich verpflichtet, Nachbargrundstücke aufzukaufen, deren Besitzer bald wegziehen. Da dies die Schule finanziell überfordere, müsse man die Flächen schnell weiterverkaufen, sagt Friedrich Ohlendorf vom Trägerverein der Schule. (cs)

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