Berlin : Waldwuchs am Straßenrand

Die Stadtreinigung holt jetzt die Weihnachtsbäume wieder kostenlos ab

Der Tag der Heiligen drei Könige ist traditionell auch immer der letzte Tag der Weihnachtsbäume. Danach werden sie am Straßenrand abgelegt und verschwinden anschließend sang- und kostenlos, so auch in diesem Jahr: Seit Montag sammelt die Berliner Stadtreinigung (BSR) wieder die Weihnachtsbäume ein.

Sozusagen einen riesigen Wald müssen die Aufräumer in den Bezirken dabei beseitigen – mit etwa 400 000 Fichten und Tannen rechnet die Stadtreinigung auch bei der diesjährigen Weihnachtsbaum-Einsammlung. Diese zu bewältigende Menge an Grünzeug entspricht immerhin etwa 12 500 Kubikmetern, oder – anders ausgedrückt – etwa rund 830 beladenen Müllfahrzeugen.

Bei diesen Mengen wünschen sich die orangenen Müllbeseitiger ein wenig Kooperation, sagt Sabine Thümler von der BSR. So sollten Baumbesitzer es auf keinen Fall der TV-Werbung des schwedischen Möbelhauses nachmachen und ihre im Dezember – diesmal recht teuer – erstandene grüne Weihnachtspracht schnöde vom Balkon werfen. Vielmehr sollten die restlos abgeputzten Christbäume möglichst an einer Stelle gesammelt am Straßenrand vor dem jeweiligen Wohnhaus angehäuft werden. Und dies nach Möglichkeit so, dass nicht gleich jedes Lüftchen die nadelige Pracht in alle Winde und Straßen verwehen kann.

Genau das ist mit großen Teilen des diesjährigen Silvestermülls geschehen. In den städtischen Hauptwohngebieten sei er inzwischen beseitigt, sagte gestern die BSR-Sprecherin. In den Randgebieten und Nebenstraßen liege aber teilweise noch all das auf den Bürgersteigen und Fahrbahnen herum, was die Berliner in der Silvesternacht lustvoll und tonnenweise in den Himmel geschossen haben. Der gleich im neuen Jahr gefallene Schnee, jetzt das Blitzeis und nun die begonnene Weihnachtsbaum-Einsammlungsaktion – da sei es einfach noch nicht zu schaffen gewesen, die Stadt besenrein zu machen.

Warum Bürger hier nicht – wie sie es aus ihrer Heimat Friesland kennt – im neuen Jahr auch mal selbst nach Besen und Schaufel greifen, um vor der eigenen Haustür das zu beseitigen, was sie zum Jahreswechsel selbst hingemüllt haben, versteht Sabine Thümler auch als begeisterte Wahlberlinerin noch immer nicht. Eine gewisse „Vollkasko-Mentalität“ käme da wohl zum Ausdruck.

Im Zoo oder Tierpark steht die Berliner Weihnachtsbaumflut jetzt übrigens nicht wochenlang auf der Speisekarte großer Tiere. Die Gefahr, dass im dichten Gezweig doch noch die eine oder andere übersehene Christbaumkugel hänge und tierisch verschlungen werde, sei viel zu groß, sagt Thümler. Vielmehr werde ein Teil der Bäume in Kompostierungsanlagen zerschreddert. Der Rest werde in entsprechenden Anlagen außerhalb der Stadt in Energie umgewandelt.

Wie es sich seit zwei Jahren in Berlin bewährt hat, gibt es für die abgehalfterten Nadelbäume auch diesmal wieder zwei Abholtermine pro Bezirk – die sollte man möglichst einhalten, bittet die Stadtreinigung. Am Montag und Dienstag wurde bereits in Charlottenburg, Friedrichshain, Kreuzberg, Marzahn, Mitte, Schöneberg und Wedding die erste Runde der Weihnachtsbäume eingesammelt. Wer diesen Termin verpasst hat, hat aber noch eine weitere Chance (siehe Kasten). hema

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