Berlin : Waldzustandsbericht 2000: Dem Wald geht es so schlecht wie selten zuvor

Tobias Arbinger

Mit dem Wald in Berlin und Brandenburg geht es bergab. Die Verfassung der Baumkronen in der Stadt ist so schlecht wie seit 1992 nicht mehr, heißt es im neuen Waldzustandsbericht, den die Senatsverwaltung für Umweltschutz gestern veröffentlicht hat. Während von den rund 16 000 Hektar Berliner Wald 1999 noch 29,5 Prozent keine "sichtbaren Schadsymptome" aufwiesen, beträgt dieser Anteil in diesem Jahr nur noch 20,9 Prozent. 24,5 Prozent des Waldes sind "deutlich geschädigt". 1999 waren es noch 17,8 Prozent. Auch in Brandenburg haben sich die Werte verschlechtert.

Nach dem zeitgleich erschienenen Bericht für Brandenburg haben dort 8,5 Prozent der Bäume "deutliche Schäden" (1999: 7 Prozent), unbeschädigt sind 52,8 Prozent (1999: 57 Prozent). "Keinen Grund zur Entwarnung", sah Umweltsenator Peter Strieder (SPD) gestern vor dem Hintergrund dieser Zahlen. Sein brandenburgischer Amtskollege Wolfgang Birthler (SPD) zog hingegen ein "positives Fazit". Im Gegensatz zu Berlin ist die Zahl der kaputten Bäume in Brandenburg in den vergangenen zehn Jahren nämlich stark gesunken. In den Werten von 2000 "wird kein Trendbruch gesehen", heißt es in dem brandenburgischen Papier. Strieder und Birthler machten zum Teil die Witterung für die Schäden verantwortlich. In den beiden letzten milden Wintern seien die Bäume nicht zur Ruhe gekommen, sagte Strieder. Auch wenn sich die Luftqualität in Berlin verbessert habe, seien "wesentliche Ursachen" der Schäden aber nach wie vor "der Fahrzeugverkehr und die Industrie". Angela von Lührte vom Bund für Umwelt und Naturschutz forderte gestern ein "Konzept zur Verkehrsvermeidung" von Strieders Verwaltung.

Mit einem "naturgemäßen Waldbau" versuchen Berliner Forstwirte das Grün wieder aufzupäppeln. Ihre brandenburgischen Kollegen pflanzen Laubbäume in ihre von Kiefern dominierte Natur - im Mischwald können Schädlinge weniger ausrichten. Auf Dauer helfe jedoch nur die Reduzierung der Schadstoffe, sagte Strieder. "Die Industrieländer müssen mehr tun." "Das Problem ist, dass der Laie die Schäden in der Regel nicht sieht", sagte Elmar Lakenberg, Leiter der Berliner Forsten. Ein Indiz der Umweltzerstörung sei, dass immer mehr seltene Arten verschwänden. Moose oder Flechten gebe es in Berlin so gut wie nicht mehr.

Wieso geht es den Bäumen in Berlin schlechter als in der Mark? Brandenburg sei dünner besiedelt, habe weniger Autoverkehr, sagte Birthler. Hinzu komme ein verringerter Schadstoffausstoß durch den Abbau von Industrien und den Umstand, dass immer weniger mit Kohle geheizt werde. Moderne Filter und bessere Heizungen führte auch Strieder an. Hingegen machen Autoabgase dem Berliner Wald immer stärker zu schaffen. Umweltgifte wirken sich verschieden stark auf die Baumarten aus: Während zum Beispiel 19 Prozent der Berliner Kiefern deutliche Schäden aufweisen, sind es bei den Eichen 43 Prozent. Die Kiefer sei ein robuster Baum, sagte Lakenberg, die Eiche "empfindlicher".

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