Wall AG : "Nicht das letzte Wort gesprochen"

Großer Wirbel nach der Umzugsdrohung: Berliner Politker beschwichtigen und Wall deutet an, dass der Umzug nicht endgültig ist.

Berlin - Nach der Wegzugsdrohung der Berliner Wall AG wegen ihrer Niederlage im Bieterverfahren um die BVG-Außenwerbetochter VVR Berek bemühen sich Politiker um Schadensbegrenzung. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte am Donnerstag, er gehe davon aus, dass sich der "nachvollziehbare Ärger" von Firmenchef Hans Wall über den Zuschlag für die französische Konkurrenzfirma JC Decaux nach einer "gewissen Zeit" wieder legen werde. Wall hat in Berlin und Brandenburg insgesamt 320 Beschäftigte.

Nach den Worten des Spitzenkandidaten der Berliner CDU, Friedbert Pflüger, wäre ein Wegzug ein verheerendes Signal für den Wirtschaftsstandort Berlin. Hans Wall, der nach der Niederlage im Bieterverfahren eine Verlegung von Firmensitz und Produktion nach Hamburg angekündigt hatte, übte unterdessen scharfe Kritik an der Wirtschaftspolitik des Senats. Nach monatelangem Ringen hatte die BVG entschieden, ihr Tochterunternehmen für 103 Millionen Euro an JC Decaux zu veräußern. Wall bot nach eigenen Angaben 80,5 Millionen Euro.

BVG kann nicht auf Geld verzichten

Wowereit unterstrich, das Land sei nicht "Herr des Vergabeverfahrens" gewesen, dieses sei vollkommen korrekt verlaufen. Das Unternehmen agiere im internationalen Wettbewerb, und Wall müsse es auch hinnehmen, wenn er mal unterliege. Der Regierungschef hob zudem hervor, dass die hoch verschuldete BVG nicht auf einen zweistelligen Millionenbetrag verzichten könne.

Nach Überzeugung von Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) wird die Wall AG auch künftig von Berlin und dem brandenburgischen Velten aus agieren, wo die Firma ihren Produktionsstandort hat. Die Landesregierung werde das Unternehmen weiterhin aktiv begleiten und unterstützen.

Pflüger: Entscheidung zeugt nicht von Weitblick

Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei.PDS) sagte, das letzte Wort über die Zukunft des Unternehmens in der Region sei noch nicht gesprochen. Nach einem ersten Telefonat am Mittwoch war für Donnerstag ein Treffen des Senators mit Firmen-Chef Wall geplant.

Nach den Worten Pflügers zeugt es nicht von "ökonomischem Weitblick", mit dem Verkauf an den französischen Bieter einen Mehrerlös von rund 23 Millionen Euro erzielen zu wollen. Die Verluste bei einem Weggang von Wall wären ungleich höher als der momentane Verkaufserlös. Pflügers Einschätzung nach versagte der Senat erneut in der Wirtschaftspolitik.

Senat soll gutes Klima schaffen

IHK-Präsident Eric Schweitzer verwies darauf, dass die BVG aufgrund von EU-Vorgaben nach wirtschaftlichen Kriterien und nicht nach "politischer Willkür" entscheiden müsse. Er hoffe allerdings, dass es dem Senat gelingt, wieder ein "gutes Klima" zu schaffen.

Dafür stehen die Zeichen allerdings schlecht. Der 64-jährige Firmenchef Wall zeigte sich tief enttäuscht und bemängelte, dass der Senat mit seiner Entscheidung einem innovativen Unternehmen in der Region die Wachstumsmöglichkeiten nehme. Bei dem Zuschlag sei lediglich "aufs Geld" und nicht auf die Arbeitsplätze geschaut worden.

Zugleich relativierte der Unternehmer seine Umzugsankündigung. "Nur wenn uns die entsprechenden Rahmenbedingungen geboten werden und wir den Zuschlag für die Außenwerbung an den Hamburger Haltestellen erhalten, gibt es einen Umzug in die Hansestadt", sagte Wall. Einen Großteil der Mitarbeiter in Berlin und Velten will der Unternehmer in diesem Fall mitnehmen. (tso/ddp)

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