Berlin : Wall macht Hoffnung auf Jobs

Unternehmer hat mit interaktiven Stadtmöbeln Erfolg

Alexander Heinrich

Für den Sohn ist es nicht leicht, aus dem Schatten seines Vaters zu treten: „Ich habe Berlin und Düsseldorf erobert, mein Sohn hat mir versprochen, das Gleiche in München und Hamburg zu tun“, sagte Hans Wall, Firmengründer des Stadtmöblierers Wall beim ersten Auftritt seines Sohnes Daniel Wall als neuer Vorstand am Mittwoch. Seit Januar lenkt der Sohn die Geschicke der Wall AG, der Vater wechselt in den Aufsichtsrat.

Für den eigens angereisten Wirtschaftssenator Wolf hatte Wall Junior positive Nachrichten parat. Allein 2006 legte die Firma beim Umsatz von 125 Millionen auf 135 Millionen zu und stellte rund fünfzig neue Mitarbeiter ein. Seit 1992 wuchs die Zahl der Mitarbeiter um knapp 14 Prozent, „durchschnittlich 26 neue Arbeitsplätze im Jahr“, so Daniel Wall. Mit Hans- Peter Dunker begrüßten Vater und Sohn Wall nun den sechshundertsten Mitarbeiter. Der EDV-Fachmann war zuvor vier Jahre lang selbstständig für Wall tätig, zwei seiner Mitarbeiter konnte er mitbringen. Als neuer EDV-Bereichsleiter wird sich Dunker um ein Geschäftsfeld kümmern, das Daniel Wall am Herzen liegt: Er will nicht nur Märkte in osteuropäischen Metropolen und den USA erobern, sondern bei Ausschreibungen auch mit intelligenten Stadtmöbeln punkten.

Die 1976 gegründete Wall-AG stattet Großstädte mit Bushaltestellen, City-Toiletten und Plakatsäulen aus und verdient mit den Plakatflächen. „Wir werden noch stärker auf interaktive Stadtmöbel setzen“, sagte Daniel Wall. Gemeint sind damit etwa elektronische Werbetafeln und Computerterminals, an denen Passanten Stadtinformationen oder etwa Fahrpläne abrufen können. Bereits heute stehen solche „bluespot“-Terminals in Berlin und Dortmund.

„Wenn nur die Hälfte der Projekte verwirklicht wird, die bei meinem Sohn auf dem Schreibtisch liegen, dann werden wir bald den tausendsten Mitarbeiter bei uns begrüßen“, sagte Wall Senior. Das klang vor Kurzem noch anders: Im August 2006 hatte der französische Konkurrent Deacaux vom Senat den Zuschlag für den Kauf der BVG-Tochter VVR-Berek bekommen. Als Berliner Mitbieter reagierte Hans Wall damals empört und dachte öffentlich über einen Umzug von Berlin nach Hamburg nach. Wirtschaftssenator Wolf bemühte sich am Mittwoch denn auch um ein gutes Klima: Die Wall AG sei ein Beispiel für eine gelungene Unternehmensnachfolge – was nicht zuletzt Arbeitsplätze sichere.

So ganz will sich Senior Wall jedoch nicht aus dem Alltagsgeschäft zurückziehen. Neuestes Produkt für Berlin: eine Dog Service Station, in der Herrchen und Frauchen die Hinterlassenschaften ihrer Lieblinge ordentlich entsorgen können.

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