Berlin : Wandel im Handel: Neue Ideen kurbeln Schlussverkauf an

Klaus Kurpjuweit

Euro, Mark, Kreditkarte oder Gutschein. Im Winterschlussverkauf (WSV), der morgen beginnt, können die Kunden wählen, wie sie zahlen. Dabei gibt es erstmals auch ganz besondere Schnäppchen. Viele Geschäfte locken mit einem Zusatzrabatt per Coupon. Dieser muss aus Anzeigen oder Prospekten ausgeschnitten werden. Dabei heißt es aber aufpassen: Die Gutscheine gelten mit unterschiedlichem Rabatt nur für bestimmte Waren. Die Verbraucherzentrale rät, dieses Mal besonders auf die Preise zu achten und sich vom gegenüber der Mark niedrigeren Europreis nicht täuschen zu lassen. Vielen fehle noch das Euro-Gefühl.

Die ganz Cleveren waren bereits am gestrigen Sonnabend unterwegs - auch ohne Gutschein. "Hier brummt es gewaltig", sagte KaDeWe-Sprecherin Dagmar Flade beim Anblick der Kundenmassen im Haus. Ähnlich sah es fast überall in den Geschäften der Stadt aus. "Das erste Schlussverkaufsgeschäft verlagert sich seit Jahren zunehmend von Montag auf Sonnabend", sagte der Geschäftsführer des Kaufhofes am Alexanderplatz, Detlef Steffens.

Die Geschäfte seien gar nicht in der Lage, nach Ladenschluss am Sonnabend alle Preise für den am Montag beginnenden Schlussverkauf umzuzeichnen und die elektronischen Systeme komplett umzustellen. Deshalb gibt es viele Schnäpppchen bereits vor dem offiziellen Start des Schlussverkaufs. Sie dürfen aber nicht als Schlussverkaufsware bezeichnet werden.

Bis morgen warten müssen allerdings alle, die eines der Sonderangebote ergattern wollen, mit denen die Geschäfte gezielt für den Winterschlussverkauf werben. Diese Artikel dürfen nicht vorher verkauft werden. Sie wurden erst gestern nach Ladenschluss mit den neuen Preisen versehen. Und auch erst von Montag an können die Gutscheine eingelöst werden, mit denen zahlreiche Geschäfte in diesem Jahr erstmals locken.

Auf die bereits reduzierten Waren gibt es weiteren Rabatt, wenn der Kunde an der Kasse den entsprechenden Gutschein aus Anzeigen präsentiert, die beispielsweise am Freitag im Tagesspiegel standen. Solche Sonder-Rabatte sind erst möglich, seit das neue Rabattgesetz gilt. Bei Wertheim sind es bei Damenblusen, Herren-Sakkos und Herrendaunenjacken noch einmal 50 Prozent. Der Kaufhof bietet unter anderem Gutscheine mit einem Preisnachlass bis zu 30 Prozent für Damen-, Herren- und Kinderbekleidung an. 20 Prozent gibt es für Sporttextilien und Sportschuhe, ausgenommen Tauch- und Fahrradsportartikel. "Damit muten wir den Mitarbeitern einiges zu", sagte Geschäftsführer Steffens.

Die Frauen und Männer an den Kassen müssen die nächsten zwei Wochen nun mit Euro, Mark und Gutscheinen hantieren. Dazu kommen noch die EC- und Kreditkarten. Nur Perlen fehlen noch bei den Zahlungsmitteln. Doch Steffens befürchtet keinen Stau an den Kassen.

Mit Mark zahlen ohnehin immer weniger der Kunden, hat der Kaufhof-Chef festgestellt. Und fürs Ausrechnen des Endpreises nach allen Rabattarten reiche das Drücken einer Taste an der Kasse. Nur die richtige müsse es eben sein. Stammkunden, die eine so genannte Kundenkarte eines Unternehmens besitzen, erhalten übrigens zusätzlich auch noch die üblichen drei Prozent Rabatt, die es stets beim Vorzeigen der Karte gibt.

Der Vorreiter des großen Rabatts, C &A, verzichtet allerdings dieses Mal auf eine besondere Aktion. C &A hatte zur Euro-Einführung fürs bargeldlose Zahlen Rabatt gewährt und war dafür abgemahnt worden. "Wir haben die Preise im WSV generell für alle Kunden gesenkt", sagte der Geschäftsführer des C &A-Hauses am Kurfürstendamm, Thomas Burmann. Hier müsse niemand für einen Preisvorteil zur Schere greifen, um einen Gutschein auszuschneiden.

Auch das KaDeWe, das wie Wertheim zum Karstadt-Konzern gehört, bietet keine Rabatt-Gutscheine an. Die Angebote seien bereits durchschnittlich um 50 Prozent reduziert, einige Artikel würden sogar um 70 Prozent günstiger angeboten, sagte Dagmar Flade. Für die Unternehmen lohnt sich der Verkauf zum Sonderpreis meist immer noch. Dies sei günstiger, als die unverkaufte Ware ins Lager zu stecken, sagte die KaDeWe-Sprecherin.

Coupons mit Zusatzrabatt gibt es inzwischen auch außerhalb des Schlussverkaufs für vielerlei Waren. Mitglieder des Karstadt-Klubs erhielten bis gestern fünf Prozent Rabatt unter anderem für Parfümartikel, Uhren, Schmuck, Fotoartikel, elektronisches Spielzeug sowie Elektrogeräte.

Mit einem Sonder-Rabatt können die Kunden in der Regel aber nur rechnen, wenn er von den Geschäften angeboten wird. Ein zusätzliches Feilschen an der Kasse ist meist nicht drin. "Wir sind doch kein Basar", sagte Dagmar Flade vom KaDeWe. Und die Kunden versuchten es meist auch gar nicht.

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