Berlin : Wandelnde Kondome für die WM Fans und Freier sollen besser aufgeklärt werden

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Die Kondome tragen übergroße verspiegelte Sonnenbrillen, sind etwa 2,20 Meter hoch und einen Meter im Durchmesser. Eines ist weiß mit blauen Fußballshorts, ein Giftgrünes trägt ein kleines Tor um die Hüfte. Das dritte Kondom ist schwarz und balanciert mit Fußbällen. Allen gemein ist, dass in ihnen Sozialarbeiterinnen der Beratungsstelle für sexuell übertragbare Krankheiten des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf stecken und dass sie in ihren Kostümen offenbar nicht besonders gut sehen. Zumindest brauchen sie ein bisschen Hilfe von außerhalb, damit sie nicht an die Tische im Konferenzsaal stoßen.

Die Gesundheitsstadträtin Martina Schmiedhofer (Grüne) hat gestern zu dieser ungewöhnlich besetzten Pressekonferenz geladen, um eine Aktion der Arbeitsgemeinschaft „Gesunder Kunde“ zu präsentieren: Berliner und Besucher sollen zur WM zur Verwendung von Kondomen und zum Respekt vor Prostituierten gemahnt werden, falls sie deren Dienste in Anspruch nehmen wollen. „Da der Freier als solcher aber nicht auffällig ist, vermuten wir ihn bei großen Männeransammlungen“, sagte Schmiedhofer. Daher werden ihre Mitarbeiterinnen an den Berliner Spieltagen in Dreierteams vor dem Olympiastadion unterwegs sein: Info-Frau, Flyer-Trägerin und eben das Kondom. Unterstützt wird die Aktion von mehreren Prostituierten-Organisationen und einem Hersteller, der 80 000 Kondome für Berlin zur Verfügung stelle. Bundesweit sollen sogar 750 000 Kondome und 300 000 Karten mit Empfehlungen für Freier verteilt werden.

Hintergrund der Aktion sind die steigende Zahl von HIV-Neuinfektionen sowie die sinkende Bereitschaft zur Benutzung von Kondomen. Sechs Teams sollen vor den Spielen ausschwärmen – und sich eine Stunde vor Anpfiff zurückziehen, um keine Spaßbremsen zu sein. obs

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