Wandern in Brandenburg : Die Zwei-Seen-Tour: Einfach mal gehen lassen

Bei einer Wanderung um den Sacrower und den Groß Glienicker See bieten sich herrliche Panoramen. Eine Wegbeschreibung.

Enrico Bellin
Auf dem Meedehorn steht ein Sammelsurium von Stühlen und Bänken - gut für eine Rast.
Auf dem Meedehorn steht ein Sammelsurium von Stühlen und Bänken - gut für eine Rast.Foto: Andreas Klaer

Sommerzeit – Wanderzeit. Brandenburg bietet sich dafür an. Wir stellen in loser Folge in Kooperation mit dem Märkischen Wanderbund Fläming-Havelland die schönsten Strecken in Potsdam und der Mittelmark vor. Heute geht’s zum Sacrower und Groß Glienicker See.

DIE ROUTE

Start ist am Wanderparkplatz vor dem Sacrower Schloss. Am Friedhof entlang geht es in den Schlosspark und an das Havelufer heran, wo der Weg links ans Wasser abknickt. Zur linken Seite sind Skulpturen hinter Schilf zu sehen, das in den trockenen Senken auf der Wiese wächst. Immer wieder schimmert die Fassade des Sacrower Herrensitzes durch die Parkbäume. Zur Rechten ergeben sich durch die Uferböschung hindurch mit jedem Schritt neue Blicke über das Wasser auf die Potsdamer Innenstadt, bis nach wenigen hundert Metern schließlich die Sicht auf die Glienicker Brücke und das Babelsberger Schloss frei wird. Noch ein paar Schritte weiter lugt schon der Turm der Heilandskirche über den Bäumen hervor. Um die Kirche herum geht es auf den gepflegten Sandwegen zum Schiffsanleger. Dann zwängt sich der Weg zwischen Wasser und Kleingärten hindurch. Der Blick über die Havel geht in grader Linie bis zum früheren Landtagssitz auf dem Potsdamer Brauhausberg.

Später fällt der Blick auf das weiße Schloss der Pfaueninsel auf der anderen Seite der Havel, während direkt neben dem Wanderer die dunkle Vergangenheit der Gegend deutlich wird: Vor dem Vereinsgelände des SC Sacrow steht das Fundament des früheren Grenzturmes. Am Weg entlang erinnern Tafeln an die Geschichte der Halbinsel Meedehorn, die bis 1989 mit hohen Zäunen gesichert war. Heute wirkt das Areal mit seinen Kleingärten anheimelnd, das bunte Sammelsurium von Gartenhäusern reicht vom Alpenhaus-Stil bis zum Reetdachhaus. Und in den Gärten hat zum Glück nicht jeder Grashalm Einheitshöhe.

An der Kreuzung mit dem Weinmeisterweg haben Wanderer die Wahl, rechts an der Havel oder links am See entlangzulaufen. Der Seeweg führt am Restaurant „Zum Sacrower See“ vorbei, nach wenigen hundert Metern wird aus der asphaltierten Straße ein ebener Wanderpfad, der immer am Ufer entlangführt. Es geht vorbei an Zelten, vor denen Jugendliche sich entspannen. An der Nordspitze des Sees gibt es die Möglichkeit, weiter um den Groß Glienicker See zu laufen. Der Wanderer biegt jedoch links ab und nimmt das Westufer des Sacrower Sees. Über wurzelbewachsene Stufen geht es ans Wasser und zum großen Badestrand vor dem Restaurant „Landleben“. Der Weg führt weiter am Institut für Binnenfischerei vorbei wieder zum Parkplatz.

DIE ABKÜRZUNGEN

Die Route ist elf Kilometer lang und dauert etwa zweieinhalb Stunden. Abkürzen lässt sie sich nach Verlassen des Meedehorns nach vier Kilometern (dann am Schloss vorbei zurück zum Wanderparkplatz). Die verlängerte Route ohne Meedehorn, dafür um den Groß Glienicker See herum, ist 16,6 Kilometer lang und dauert etwa dreieinhalb Stunden. Wer mit dem Bus kommt, kann sie aber auch nach der Hälfte unterbrechen, vom Nordufer des Groß Glienicker Sees nach links zur Bundesstraße 2 gehen und an der Haltestelle Am Park in den 638er nach nach Potsdam oder Spandau steigen. Der Bus fährt tagsüber alle 20 bis 30 Minuten.

Grafik: Tsp

DIE SEHENSWÜRDIGKEITEN

Da ist natürlich die Sacrower Heilandskirche mit ihrem Säulenrundgang direkt am Wasser. Sie bringt mediterranes Flair an die Havel, der italienische Baustil des 1844 von Ludwig Persius gestalteten Gotteshauses wirkt luftig und leicht. Der frei stehende Glockenturm ist neben dem Säulengang der wohl markanteste Teil der für Besucher auch in der Woche geöffneten Kirche. An der Kirche sollte der Wanderer ein Pause einplanen und das Potsdamer Panorama auf sich wirken lassen. Das benachbarte Sacrower Schloss, 1773 erbaut, ist ein Herrensitz, von Größe, aber ohne Prunk. Im Schloss ist derzeit die Ausstellung „Preußens Arkadien hinter Stacheldraht“ zu sehen, die die Geschichte des Areals während der deutschen Teilung thematisiert. Nördlich des Groß Glienicker Sees liegt zudem der Gutspark Groß Glienicke.

DAS ESSEN UND TRINKEN

Es gibt nur wenige Restaurants an der Strecke. Auf dem Meedehorn selbst lädt ein Lokal in der Kleingartensparte ein. Im Weinmeisterweg gibt es die Gaststätte „Zum Sacrower See“ mit gemütlicher Terrasse. Und an der Nordspitze des Sees findet sich das Restaurant „Landleben“. Für die Wanderung sollte also ausreichend Proviant eingepackt werden.

DER ANSPRUCH

Die Touren sind einfach. Sie führen über gute Sandwege, Asphalt- oder Pflasterstraßen. Rollstuhlfahrer oder Familien mit Kinderwagen sollten an der Nordspitze des Sacrower Sees nicht der Route links am Wasser, sondern dem Waldweg zum Restaurant „Landleben“ folgen.

ANFAHRT

Der 697er fährt täglich einmal pro Stunde zum Sacrower Schloss. Das Potsdamer Wassertaxi fährt alle zwei Stunden zur Heilandskirche.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben