Berlin : Wannsee bald ein ICE-Bahnhof ohne Schalter?

Auch in Schöneweide, Charlottenburg und Schönefeld könnte es demnächst keinen persönlichen Fahrscheinverkauf mehr geben

Klaus Kurpjuweit

Im Bahnhof Wannsee werden nach Befürchtungen der Bahngewerkschaft Transnet bald keine Fahrscheine mehr verkauft. Ähnlich könnte es Fahrgästen auch in den Bahnhöfen Charlottenburg, Schöneweide und möglicherweise auch Schönefeld gehen. Bahnsprecher Andreas Fuhrmann sagte, entschieden sei hier noch nichts, doch Verkaufsschalter stünden stets auf dem Prüfstand. Sie müssten wirtschaftlich tragbar sein. Wannsee wäre bei einer Schließung der Schalter einer der bundesweit ganz wenigen Bahnhöfe, in denen zwar ICE-Züge halten, es aber keine Fahrscheine zu kaufen gibt.

Seit Jahren bereits schließt die Bahn Schalter vorwiegend in kleineren Bahnhöfen. Eine weitere Streichliste gibt es nach Angaben von Transnet-Sprecher Michael Klein auch für Brandenburg. Die Bahn will ihre Kosten beim Fahrscheinverkauf weiter senken. Die so genannten Vertriebskosten betragen nach Fuhrmanns Angaben gegenwärtig 23 Prozent, bei 17 Prozent wolle die Bahn ankommen.

Wenn im Bahnhof die Schalter geschlossen bleiben, müssen Kunden auf Reisebüros oder Verkaufsagenturen ausweichen. Und während Auskünfte am Bahnschalter gratis sind, verlangen Reisebüros oder Agenturen bereits nur für Angaben zum Fahrplan eine Gebühr, wenn der Kunde anschließend keinen Fahrschein kauft. Ähnlich sieht es auch bei der telefonischen Bestellung von Fahrscheinen aus. Hier hat die Bahn erst vor kurzem die Gebühren erhöht.

Auch Automaten sollen die Schalter ersetzen. An den modernsten Geräten können die Kunden ihre Fahrscheine aber nicht mehr in bar, sondern nur noch per Kredit- oder EC-Karte bezahlen. Beratung ist hier selbstredend grundsätzlich Fehlanzeige.

Die Gewerkschaft Transnet befürchtet auch, dass die Bahn die Zahl der Reisebüros reduzieren will, die Fahrscheine für die Züge verkaufen. An Kündigungen von Verträgen sei jedoch nicht gedacht, sagte Bahnsprecher Andreas Fuhrmann dazu. Im Ostbahnhof sowie in den Bahnhöfen Friedrichstraße und Lichtenberg wurden jetzt weitere BEX-Reisebüros eröffnet. Sie ersetzen die bisherigen Bahn-Reisebüros.

Die Gewerkschaft hat unter den Reisenden bundesweit nach Angaben Kleins bereits rund 12 000 Unterschriften gegen die Schließung von Verkaufsstellen in Bahnhöfen gesammelt. Die Aktion soll fortgesetzt werden.

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