Berlin : Wannsee ohne Terrassen

Ruine des Lokals vor dem Abriss – die Immobilie wird verkauft

Frank Thadeusz

Mit dem „herrlichen Blick auf den Wannsee“ haben in der Vergangenheit Berlin-Reiseführer gerne die Wannseeterrassen als Ausflugsziel gepriesen. Die Sommersaison 2002 fiel jedoch ins Wasser: Das beliebte Lokal wurde im Dezember 2001 durch einen Brand völlig zerstört: Eine Dunstabzugshaube war in Brand geraten.

Der Senator für Stadtentwicklung, Peter Strieder (SPD), will sich nun von der Immobilie trennen. Der alte Pachtvertrag ist inzwischen abgelaufen. Demnächst soll das Grundstück in den Liegenschaftsfonds überführt und verkauft werden. „Es ist sicher nicht die ureigenste Aufgabe des Landes Berlin, Ausflugslokale zu betreiben“, begründet Andreas Fuchs, Liegenschaftsexperte der Berliner Forsten, den Schritt.

Der Verkauf der Wannseeterrassen sei eine „schwierige Angelegenheit“, so Steglitz-Zehlendorfs Finanzstadtrat Klaus-Peter Laschinsky (SPD). Es müsse zunächst geklärt werden, ob das über 8600 Quadratmeter große Grundstück als Baugrund oder als Waldgebiet und damit entsprechend günstiger veräußert werden könne. „Solange das Grundstück noch nicht übergeben ist, kann man dazu keine konkreten Angaben machen“, sagte die Sprecherin des Liegenschaftsfonds, Irina Dähne.

Fraglich ist weiterhin, ob die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung dem potenziellen Käufer ein Paket schnürt, das ausreichend Parkplätze und Zufahrtswege zum Areal enthält. Unstrittig ist hingegen, dass am Wannseebadweg auch künftig Ausflügler die Sicht auf Berlins größtes Gewässer genießen sollen. „Die bisherige Nutzung als Ausflugslokal soll fortgeführt werden“, so Andreas Fuchs.

Das wird für den kommenden Investor jedoch nicht die einzige Kaufbedingung bleiben, wie der Sprecher der Berliner Forsten, Marc Franusch weiß: „Die Konditionen müssen genau abgestimmt sein. Dieses Waldgebiet ist für jeden Käufer ein Privileg. Da muss es klare Auflagen für den Investor geben.“

Seit 1950 sorgten die Berliner Forsten als Verpächter des Grundstückes dafür, dass Wald und Flur mit der Gastronomie im Grünen in Einklang standen. Wenn das Areal verkauft ist, verliert die Behörde ihr Zugriffsrecht. „Es ist natürlich nicht egal, welche Entwicklung so ein Grundstück in einem Naherholungsgebiet nimmt“, sagt Franusch.

Zunächst will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nun die Reste der alten Terrassen beseitigen lassen. „Die Beräumung der Ruine und sonstiger Altlasten steht unmittelbar bevor“, kündigt Franusch an. Den finanziellen Aufwand lindert eine Versicherungssumme in ungenannter Höhe, die die Berliner Forsten noch erhalten wird. In der ersten Hälfte des kommenden Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

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