Berlin : Warnst du noch oder drohst du schon?

Bahnchef Mehdorn sagt, dass die S-Bahn bald nicht mehr fahren könnte – und lässt beschwichtigen

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Heinz Dürr war einmal Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn und bekommt heute das Bundesverdienstkreuz für sein BerlinEngagement. Hartmut Mehdorn, derzeitiger Vorstandsvorsitzender der Bahn, wird auf einen solchen Dank der Stadt demnächst nicht hoffen können – denn er warnt den Berliner Senat: Der Betrieb der S-Bahn könne ab dem 14. Dezember nicht mehr garantiert werden, wenn es bis dahin keinen Vertrag zwischen S-Bahn und Senat gebe.

Man kann das für übliches Wortgeklingel im Endstadium von Verhandlungen halten, wie einige gut informierte Beobachter dies tun, man kann es aber auch als handfeste Drohung verstehen: Ab 14. Dezember kein S-Bahn-Verkehr mehr in der Stadt. Und man kann das auch etwas „irritiert“ aufnehmen, sagen, dass so etwas „mitten in den Verhandlungen nicht hilfreich sei“, dass die Verhandlungen trotz allem aber auf einem guten Wege seien und es demnächst gewiss einen Vertrag gebe. So hat sich Petra Reetz, die Sprecherin des Verkehrssenators Peter Strieder, zu dem Fall geäußert.

Worum geht’s? Seit Anfang 2001 gibt es zwischen S-Bahn und der Stadt keinen regulären Verkehrsvertrag mehr, der Verkehr beruht seitdem auf Absprachen. Seit vielen Monaten bemühen sich beide Seiten um einen neuen Vertrag – die Bahn will einen möglichst langen, welcher sie vor der europäischen Konkurrenz schützt, der nach Ablauf des Vertrages die Berliner Strecken geöffnet werden müssen. Der Senat will einen möglichst transparenten Vertrag inklusive Mitsprache bei den Streckenplanungen und Einsicht in die Bilanzen der S-Bahn. Bislang weiß nur die Bahn allein, wie teuer ihre städtischen Strecken wirklich sind.

Seit Finanzsenator Sarrazin im Juni die Zahlungen an die Bahn zunächst eingestellt hat, um schließlich 13,4 statt bislang 18,9 Millionen Euro monatlich zu überweisen, ist die Stimmung der Verhandelnden angespannt. Nun rückt der Tag des Fahrplanwechsels, der 14. Dezember, näher, bis zu dem festgelegt werden soll, auf welchen Strecken wie viele Bahnen für wie viel Geld fahren.

Dass sich nun, wenn auch nur über die Internetseite der Bahngewerkschaft Transnet, der Konzernchef persönlich mit einer Warnung an den Berliner Senat wendet, ist zumindest bemerkenswert. Wenn auch Mehdorns Sprecher beschwichtigen: Man solle das alles bloß nicht als Drohung verstehen, der Chef habe nur auf Konsequenzen aufmerksam machen wollen. Die Verhandlungen liefen doch, man werde sich schon einigen. Der Berliner S-Bahn-Chef Günter Ruppert lässt verkünden: „Berlin ist ohne seine S-Bahn nicht denkbar! Wir wollen keine Konfrontation!“

Nach Berechnungen der S-Bahn würde die dauerhafte Streichung der 5,5 Millionen Euro Monat für Monat bedeuten, dass vier ganze Strecken stillgelegt werden müssten, die Wannseebahn S1 im Süden, die Strecke nach Spandau, die S25 zwischen Priesterweg und Lichterfelde Süd sowie die Verbindung zwischen Adlershof und Schönefeld. dae

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