Warnstreik am Montag : Ausnahmezustand an den Schulen

Am Montag wird es an über 100 Schulen zu Unterrichtsausfällen kommen. Viele angestellte Lehrer und Erzieher streiken ganztägig.

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Archivaufnahme eines Warnstreiks in Berlin Anfang des Jahres.
Archivaufnahme eines Warnstreiks in Berlin Anfang des Jahres.Foto: dpa

Vielen berufstätigen Eltern dürften die Zettel, die sie dieser Tage in den Schulmappen ihrer Kinder vorfinden, Kopfzerbrechen bereiten: Am Montag fällt an über 100 Schulen der Unterricht ganz oder teilweise aus, oft wird nur ein Notbetrieb mit Betreuung aufrecht erhalten. Besonders Eltern von Grundschülern werden von vielen Schulen in Informationsbriefen gebeten, ihre Kinder möglichst zu Hause zu lassen. Grund ist ein ganztägiger Warnstreik vieler angestellter Lehrer und Erzieher, zu dem die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) aufgerufen hat.

An der Fritz-Karsen-Schule in Britz etwa rechnet Schulleiter Robert Giese damit, dass die meisten der 45 angestellten Lehrer und 20 Erzieherinnen die Arbeit niederlegen. „Normaler Unterricht ist dann nicht möglich“, so der Rektor der Gemeinschaftsschule. In den Klassen eins bis sechs werde kein Unterricht stattfinden, in den höheren Klassen sollen die Schüler früher nach Hause geschickt werden. Bei Eltern stoße der Streik größtenteils auf Verständnis. „Einige haben sogar Unterstützung bei der Schülerbetreuung angeboten“. Auch die verbeamteten Kollegen seien solidarisch. „Sie sagen, dass die Angestellten für die Beamten in gewisser Weise mitstreiken, weil ein Tarifabschluss in der Regel auf die Beamten übertragen wird“, so Giese.

„Wir werden improvisieren müssen“, heißt es auch am Weddinger Lessing- Gymnasium. Unterrichtsausfälle seien nicht zu vermeiden, sagte der stellvertretende Leiter. Rund ein Viertel der Lehrkräfte an der Schule sind Angestellte. Die Gewerkschaft will mit dem Warnstreik ihre Forderungen in der aktuellen Tarifrunde für die Beschäften der Länder unterstreichen. Seit diesem Jahr ist Berlin wieder in der Tarifgemeinschaft der Länder, weshalb die bundesweiten Abschlüsse auch für die hiesigen Angestellten gelten. Gefordert werden 6,5 Prozent mehr Lohn, keine Kürzung beim Urlaub und speziell für Lehrer eine tarifliche Eingruppierung. Bisher stufen die Bundesländer angestellte Lehrer in unterschiedliche Entgeltgruppen ein, im Osten niedriger als im Westen. In Berlin dürften zudem landeseigene Themen, wie etwa die geplante Auflösung der Arbeitszeitkonten und die Ungleichbehandlung von angestellten und verbeamteten Pädagogen die Streikbereitschaft der etwa 8000 angestellten Lehrer erhöhen.

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