Warnstreik der GDL : "Die BVG kann keinen Ersatzverkehr für die S-Bahn machen"

Beim Warnstreik der GDL heute Nacht wittern die Taxifahrer in Berlin das große Geschäft, viele Fahrer sind im Einsatz. Die BVG kann weniger flexibel reagieren, für einen Notfahrplan bräuchte das Verkehrsunternehmen vier bis fünf Tage Vorlauf.

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Nichts geht mehr: Der Warnstreik der GDL wird das S-Bahn-System und den Regionalbahnverkehr in Berlin lahmlegen.
Nichts geht mehr: Der Warnstreik der GDL wird das S-Bahn-System und den Regionalbahnverkehr in Berlin lahmlegen.Foto: dpa

Berlins Taxifahrer und auch die BVG stellen sich auf den Warnstreik der GDL ein, der zwischen 21 Uhr abends und 6 Uhr am Mittwochmorgen das S-Bahn-System in Berlin sowie die Regionalbahnen lahm legen wird.

„Was Reifen hat, ist draußen – das Geschäft lassen sich die Taxifahrer nicht entgehen“, sagt Detlev Freutel, der Vorsitzende des Taxi Verbands Berlin - Brandenburg. Bis zu einem Drittel mehr Taxis seien während eines Streiks im Einsatz, schätzt er. “Wo dann die Schwerpunkte sind und wo die Fahrgäste festsitzen — das spricht sich unter den Fahrern schnell herum.“ Hermann Waldner, der Geschäftsführer von Taxi Berlin, erwartet vor allem im morgendlichen Berufsverkehr einen Ansturm und ein deutlich stärkeres Geschäft als üblich. Dabei würden Taxifahrer wohl vor allem im Bereich des S-Bahn-Rings und an den üblichen Knotenpunkten gebraucht.

"Viel mehr geht nicht"

Weniger flexibel kann naturgemäß die BVG reagieren. „Um einen Notfahrplan zu entwickeln, bräuchten wir mindestens vier bis fünf Arbeitstage Zeit“, erklärt Pressesprecherin Petra Reetz. Für kurzfristige Warnstreiks könne man zwar punktuell einen zusätzlichen Bus oder eine längere U-Bahn einsetzen. Doch im morgendlichen Berufsverkehr führen die U-Bahnen bereits im Vier- oder Fünf-Minuten-Takt. „Viel mehr geht da nicht“, sagt Reetz. Dazu komme, dass in eine S-Bahn bis zu tausend Menschen passten. Um diese Menge aufzufangen, müssten etwa zehn zusätzliche Busse eingesetzt werden. Beim letzten Warnstreik der GDL seien 100 S-Bahnen ausgefallen, das entspräche einem Aufkommen von 1000 Bussen.

Chaos bis zum Abend?

Für Reetz ist das keine Option: „Die BVG kann keinen Ersatzverkehr für die S-Bahn machen.“ Trotzdem ist sie zuversichtlich, dass ihr Unternehmen auch im Laufe des Donnerstages alle Fahrgäste durch die Stadt befördern kann, wenn sie nur genug Geduld mitbringen. Und die wird nötig sein: Denn auch wenn der Warnstreik der GDL bis 6 Uhr morgens beendet sein wird, kann es nach Ansicht von Reetz bis zum abendlichen Berufsverkehr dauern, bis sich die Situation in Berlin normalisiert hat. Etwas optimistischer ist da die Bahn: Sie rechnet damit, dass die S-Bahnen bis zum Mittag wieder wie gewohnt unterwegs sein werden.

Die Berliner S-Bahn rät, sich vorab auf der Website der S-Bahn oder über deren Twitter-Kanal über die Fahrplan-Änderungen zu informieren.

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