Warnstreik : Flugbegleiter ließen Passagiere warten

Chaos am Flughafen Tegel: Wegen des Warnstreiks des Lufthansa-Personals kam es zu Verzögerungen und Streichungen von Flügen. Die Lufthansa zeigte sich vom Ausmaß des Streiks überrascht, genau wie die Passagiere.

Rainer W. During
Tegel Warnstreik
Protest Die Flugbegleiter der Lufthansa treten in Tegel in Warnstreik. -Foto: ddp

Schon um kurz nach acht Uhr hatte sich am Mittwochmorgen vor dem Lufthansa-Ticketschalter am Flughafen Tegel eine etwa 40 Meter lange Schlange gebildet. Rund 80 Passagiere warteten darauf, ihre Flüge umzubuchen. Besonders verärgert waren Reisende, die erst am Flughafen erfuhren, dass ihre Maschinen nicht starten würden – obwohl ihnen noch am Vorabend ihr Flug telefonisch bestätigt worden war.

Auch die Lufthansa zeigte sich vom Ausmaß des Warnstreiks unter ihren Flugbegleitern überrascht. Einige Flugbegleiter hätten am Dienstag noch versichert, nicht zu streiken, und sich am Morgen dann doch von den Kollegen mitreißen lassen, bedauerte Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber.

Entsprechend groß war am Mittwoch das Chaos. Nach Angaben der Lufthansa fielen rund 80 der 2000 täglichen Flüge aus, knapp die Hälfte davon in Frankfurt, wo zahlreiche Passagiere aufgrund der Verspätungen ihre internationalen Anschlüsse verpassten. Im Berlin-Verkehr waren je zwei Hin- und Rückflüge nach Frankfurt und München sowie je ein Flugpaar nach Brüssel und Paris betroffen. Zahlreiche weitere Lufthansa-Maschinen starteten mit Verspätungen von bis zu gut einer Stunde. Die Passagiere eines Jets nach Köln/Bonn mussten sogar fast drei Stunden auf ihren Abflug warten.

In Frankfurt und Tegel seien am Mittwoch zwischen 6 und 12 Uhr „einige Hundert“ Flugbegleiter nicht zum Dienst erschienen, sagte Joachim Müller, Leiter Tarifpolitik bei der Unabhängigen Flugbegleiterorganisation (Ufo). In den kommenden Tagen ist nach Angaben der Gewerkschaft mit weiteren Warnstreiks zu rechnen.

In der Schlange vor dem Lufthansa-Schalter verteilten Mitarbeiter der Fluggesellschaft am Mittwoch Mineralwasser an die Wartenden. „Sie können versuchen umzubuchen oder zusehen, auf anderem Wege wie mit der Bahn nach München zu kommen. Dann brauchen Sie sich auch nicht anstellen, sondern können sich den Ticketpreis später erstatten lassen“, erklärte ein Lufthansa-Mitarbeiter einer Reisenden. Eine Frau aus Berlin wollte über Frankfurt nach Orlando in Florida. „Noch ist ein bisschen Luft, aber es wird immer knapper“, sagte sie, während die Schlange nur langsam vorrückte. „Wir wollen um zwölf Uhr mit Singapore Airlines weiter nach Australien“, berichtete ein Pärchen aus Brandenburg/Havel. Ob der Traumurlaub platzen würde, wussten sie noch nicht. Einen Teil der betroffenen Langstrecken-Passagiere habe man auf Verbindungen über München oder Zürich umbuchen können, sagte Lufthansa-Sprecher Weber.

Das Bodenpersonal sowie ein Teil der Flugbegleiter wird von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vertreten. Mit dieser Gewerkschaft hatte sich die Lufthansa nach einem Streik im vergangenen Jahr auf neue Tarifverträge geeinigt, die aber von der Ufo nicht anerkannt werden. Die unabhängigen Flugbegleiter verlangen Gehaltserhöhungen von insgesamt 15 Prozent, eine Anhebung der Ergebnisbeteiligung sowie umfangreiche Arbeitsentlastungsmaßnahmen.

Lufthansa-Sprecher Weber bezeichnete den Streik als „unnötig und unverhältnismäßig“. Die Erfüllung der Ufo-Forderungen würde jährlich rund 200 Millionen Euro kosten und die Personalkosten der Flugbegleiter um gut 30 Prozent erhöhen. „Das ist in der heutigen Wirtschaftslage nicht machbar“, so Weber. Die Lufthansa bietet eine zehnprozentige Erhöhung der Bezüge. Rainer W. During

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