Warnstreik öffentlicher Dienst : Tausende Streikende bei der Abschlusskundgebung

Für Tausende Streikende neigt sich das Ende im Warnstreik zu. In Berlin und Potsdam versammelten Verdi und GEW tausende Demonstranten. GEW-Landeschef Günther Fuchs fand klare Worte: "Wer Milliarden in den BER stecken kann, der sollte auch in Bildung investieren."

von , , , und Katharina Wiechers
Protest am Alex: 6,5 Prozent mehr Lohn gefordert
Protest am Alex: 6,5 Prozent mehr Lohn gefordertFoto: dpa

17.23 Uhr - Nach Angaben der Veranstalter sind mehr als 10.000 Demonstranten zur Abschlusskundgebung auf den Luisenplatz gekommen. Für den Verkehr mussten die umliegenden Straßen gesperrt werden. In der ganzen Innenstadt gab es laut Polizei am Nachmittag Staus und Umleitungen. Auch Trams und Busse hatten Verspätung, wie ein Sprecher der Potsdamer Verkehrsbetriebe sagte.

17.06 Uhr - Der Luisenplatz ist brechend voll. Tausende Streikende trommeln, pfeifen und schwenken ihre Fahnen. Die Abschlusskundgebung kann beginnen.

17.00 Uhr - GEW-Landeschef Günther Fuchs bringt das BER-Debakel ins Spiel: "Wer Milliarden in den BER stecken kann, der sollte auch in Bildung investieren." Er sagte mit Nachdruck, man ließe sich nicht länger vertrösten.

16.55 Uhr - Auch Bildungsministerin Martina Münch ließ sich beim Warnstreik blicken. Sie betonte, dass man nun die Tarifverhandlungen abwarten müsse: "Ich habe durch diesen Streik gesehen, wie sehr die Lehrer belastet sind. Nun müssen wir die Gespräche abwarten uns zusammen mit dem Finanzministerium eine Lösung finden."

16.30 Uhr - Aufbruch vom Bassinplatz: Die rund 3000 Streikenden machen sich auf den Weg Richtung Luisenplatz. Vorneweg fährt ein Verdi-Kleinlaster, den Takt gibt eine Gruppe Trommler vor. Über die Gutenberg-, die Friedrich-Ebert-Straße und die Hegelallee soll es zum Luisenplatz gehen. Die übrigen Streikenden laufen über die Breite Straße. Bei Bussen und Trambahnen kommt es in der Zeit voraussichtlich zu Verspätungen und Ausfällen.
15.34 Uhr - Der Bassinplatz ist nun voll mit Streikenden: Laut Verdi 3000 aus mehr als 50.000. So viele hätten am Mittwoch in ganz Deutschland an den Protesten teilgenommen. Insgesamt geht es um rund 800.000 Beschäftigte der Bundesländer, deren Tarifverhandlungen am Donnerstag und Freitag in Potsdam in die dritte Runde gehen. Jetzt, am Vortag, trommelt eine Sambagruppe auf dem Potsdamer Bassinplatz - gleich sollen einige Reden folgen.

15.15 Uhr - Noch schweigen die Trillerpfeifen auf dem Bassinplatz. Die Streikenden stehen in Grüppchen beisammen und unterhalten sich, während die Musikschule Tempelhof Jazzstücke zum Besten gibt. Verdi schenkt aus großen Kanistern Kaffee und Tee aus, Gebäck und Brezeln werden verteilt. Um 16.00 Uhr soll der Demonstrationszug Richtung Luisenplatz starten, wo eine gemeinsame Kundgebung mit den streikenden Lehrern und Polizisten geplant ist.

14.52 Uhr/Potsdam - Die ersten Demonstranten trudeln in Potsdam ein. Auf dem Bassinplatz, einem der drei Treffpunkte in der Innenstadt, sind bereits ein paar Hundert Streikende. Laut Verdi werden allein dort 3000 erwartet - in ganz Potsdam 10.000.

13.47 Uhr/Potsdam - Auch in Potsdam wollen die Gewerkschaften heute eine Kundgebung abhalten. Streikende aus Berlin sind dazu aufgerufen, zum Nachbar zu fahren. Der Warnstreik soll gegen 15 Uhr beginnen. Auf den Seiten der Potsdamer Verkehrsbetriebe läuft ein Banner, dass aufgrund der Demonstration im Stadtzentrum vor Unregelmäßigkeiten im Betrieb bis circa 17.30 Uhr warnt.

12.55 Uhr/Mitte - Während die Kundgebung am Alex mit der letzten Rede zu Ende geht, gibt es in Kreuzberg traurige Kinder- und Opaaugen. "Ein Erwachsener, zwei Kinder für zwei Stunden", sagt der Herr am Schalter des Schwimmbads am Spreewaldplatz. Das sei schlecht, kriegt er zu hören. "Um 14 Uhr ist Badeschluss. Wir streiken." Eine Stunde schwimmen geht trotzdem noch. Im Bad selbst sind nur ein halbes Dutzend Menschen. Der Streik hat sich bei vielen wohl doch rumgesprochen.

12.42 Uhr/Mitte - "Kundgebung beendet, Tinitus im Anmarsch. twittert @BerlinRams Und ist damit der einzige. Nein, halt! Es gibt heute jede Menge Tweets zu #Streik - allerdings beziehen die sich auf einen Busfahrerstreik in Wiesbaden oder auf einen zeitgleichen Warnstreik des öffentlichen Dienstes in Nordrhein-Westfalen. Die Berliner Gewerkschaften hingegen protestieren heimlich. Zumindest was all jene angeht, die nicht innerhalb der letzten anderthalb Stunden am Alexanderplatz vorbei mussten.

12.10 Uhr/Reinickendorf - Die kämpferische Mittagspause ist bei Gewerkschaftern ein gern gewähltes Protestmittel. Bei einigen Schwimmbädern beginnt sie heute schon am Vormittag und wird bis zum Betriebsschluss am Abend ausgedehnt: Seit elf Uhr sind das Paracelsusbad in Reinickendorf, das Stadtbad Mitte in der Gartenstraße und das Stadtbad Tiergarten in der Seydlitzstraße geschlossen. Ab 13 Uhr macht auch das Bad am Spreewaldplatz in Kreuzberg dicht.

11.54 Uhr - Die Kundgebungen beginnen. Vertreter der Erzieher betreten die Bühne und erzählen aus ihrem Alltag: "Wir machen Schulfeste, Elterngespräche, rufen bei Ämtern an, sind Seelsorger...", schallt es minutenlang so fort von der Bühne. Botschaft angekommen: Erzieher haben viel zu tun. Deshalb mehr Geld und nicht weniger Urlaub. Danach machen die Mitarbeiter der Bezirksämter ihrem Ärger Luft. Dazwischen rufen ein paar Bauarbeiter am Alex: "Wir arbeeten och 60 Stunden die Woche." Droht der nächste Streik?

11.21 Uhr - Der Alex ist voll; ob er 12.000-Mann-voll ist, lässt sich jedoch schwer sagen. Auf jeden Fall ist der Zug der Protestler noch lang. Vor 12 Uhr ist auf dem Alex mit keiner Kundgebung zu rechnen. Bis dahin sorgt nervige Bongo-Musik aus den Lautsprechern für musikalische Untermalung. Die vielen Touristen lassen sich nicht beeindrucken.

11.15 Uhr - Was wäre ein Streik ohne die obligatorischen Solidaritätsadressen. Das weiß natürlich auch die Linke und bekundet als erste der Parteien ihre Unterstützung für die Forderungen der Gewerkschaften. "Der Verweis auf die Finanznot der öffentlichen Haushalte zieht nicht, solange in Deutschland eine Steuer- und Finanzpolitik betrieben wird, die Vermögende und große Unternehmen schont", erklärt der Landesvorsitzende Klaus Lederer. Den Senat fordert er auf, "umgehend das weitere Ausbluten des Öffentlichen Dienstes" zu stoppen.

11.06 Uhr/Mitte - Die Mitarbeiter beim öffentlichen Dienst sind verlässlich: Der Demozug kam fast pünktlich am Alexanderplatz an, twittert @BerlinRams. Und verkündet: "Jetzt wirds #LAUT!!!" Twitter-Nutzerin @SarahLiebigt schreibt, 12.000 Demonstranten seien zur Kundgebung am Alex unterwegs.

10.56 Uhr/Mitte - Rote Luftballons wohin das Auge reicht. Sehr gemächlich hat sich der Demonstrationszug von Verdi und GEW von der Friedrichstraße in Richtung Alexanderplatz in Bewegung gesetzt. Auffällig viele Kinder sind unter dem Protestzug, die haben ja heute dann frei. Die Polizisten, die am Ende des Zuges die Demo überwachen, müssen Dank Beamtenstatus zwar arbeiten, viel zu tun haben sie aber nicht. Alles läuft nach Plan. Bei Schritttempo ist auch für die Fahrerin des Einsatzwagens hinterm Steuer Zeit für eine Frühstückspause.

Warnstreik in Berlin
Von der Friedrichstraße zogen die Demonstranten an den Baustellen auf der Straße Unter den Linden vorbei und liefen zum Alexanderplatz weiter. Im Hintergrund lässt sich das Brandenburger Tor erkennen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: dpa
06.03.2013 11:02Von der Friedrichstraße zogen die Demonstranten an den Baustellen auf der Straße Unter den Linden vorbei und liefen zum...

10.47 Uhr - Inzwischen gibt es eine erste Einschätzung der Bildungsverwaltung. "Wir gehen davon aus, dass es im Vergleich zum Warnstreik vor zwei Wochen eine Steigerung bei der Beteiligung gibt", sagt eine Sprecherin. Damals streikten rund 3800 Lehrer an rund 400 Schulen. Auch die Kitas seien diesmal viel mehr betroffen. "Viele Schulen organisieren eine Notbetreuung", sagt die Sprecherin. Aber nicht überall werde gestreikt. An manchen Schulen laufe der Unterricht ganz normal. Erst am Abend wird die Verwaltung genau wissen, wie viele Lehrer die Arbeit niedergelegt haben.

10.40 Uhr/Mitte - Auch beim Energiekonzern Vattenfall wird gestreikt. Um 10 Uhr begannen die gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten die Arbeit niederzulegen. Bis 13 Uhr will man im Warnstreik bleiben. Um 11 Uhr wollen die Streikenden vor dem Berlin-Sitz des schwedischen Konzern in der Chausseestraße demonstrieren. Die Vattenfall-Führung ist heute in Berlin. Verdi fordert von dem Konzern - der nicht zum Öffentlichen Dienst gehört - einen Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen bis 2020.

10.35 Uhr - Mama, was ist Streik? Twitternutzerin @tschfflr muss dank verschlossener Türen selbst ran: "Nutze den der Kita-ErzieherInnen, Clara (5) zu erklären, was das ist." Auch ein Streikender, @BerlinRams, meldet sich zu Wort: "Eine Menge Kollegen hoer. Schade aus meinem Betrieb der Einzige zu sein. #GEW"

10.29 Uhr/Schöneberg - Jetzt machen mal die Ordnungshüter Radau: im DGB-Haus am Wittenbergplatz liegen grüne Ratschen und Trillerpfeifen für die GdP-Mitglieder aus. Sie können sich hier in die Streikliste eintragen. Zuerst sind die Ordnungsämter dran, ab 13 Uhr die Angestellten der Polizei. Mitorganisator Dieter Großhans schätzt, dass sich jeweils etwa 300 Gewerkschafter registrieren werden. "Mal schauen, wie viele es werden", sagt eine Ordnungsamtmitarbeiterin. Noch geht alles seine geregelten Bahnen. Entgegen dem Trend wirft sie ihre Kippe nicht einfach vor die DGB-Zentrale, sondern drückt sie brav im vorgesehenen BSR-Behälter aus. Ordnung muss sein. Auch am Streiktag.

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