Berlin : Warten auf den Weihnachtsmann – vergeblich Vermittler versetzten Familien

Nun gibt es Streit wegen der Panne

Juris Lempfert

Wie könnte man ihm das erklären? Der sechsjährige Pascal aus Kreuzberg wartete am Heiligen Abend vergeblich auf den Weihnachtsmann. Dabei hatten seine Eltern alles richtig gemacht. Bereits im November buchten sie über die „Tusma“, eine Berliner Arbeitsvermittlung für Studenten, einen Weihnachtsmann für den 24. Dezember. Aber dann kam kein Mann mit rotem Mantel und weißem Bart, sondern eine E-Mail mit einer freundlichen Entschuldigung und einer Absage – da war es einen Tag vor Heiligabend und zu spät für Ersatz. Was könnte man dem kleinen Pascal mit seinen hoffnungsvollen Augen also sagen, wenn er fragt, wo der Weihnachtsmann bleibt?

Die Wahrheit lieber nicht. Dann wären die Illusionen vom heiligen, gutmütigen Geschenkebringer wohl dahin. In Wirklichkeit streiten die Berliner Weihnachtsmänner nämlich heftig. „Probleme mit der Datenverarbeitung“ seien Schuld daran, dass sie nicht rechtzeitig genug auf die verschiedenen Familien verteilt werden konnten, sagt Tusma-Vorstandsmitglied und damit „Oberweihnachtsmann“ Hinrich Garms.

Intern widerspricht man dem allerdings heftig. Mitarbeiter des gemeinnützigen Vereins sprechen von „Kompetenzgerangel“ und „absehbaren, schwerwiegenden organisatorischen Fehlern“. Die Tusma habe das Gerücht, die Studentenstreiks seien Schuld an den Ausfällen, absichtlich nicht sofort dementiert – um von den eigenen Fehlern abzulenken, sagt einer, der selbst in die Vorbereitungen eingebunden war.

Einen Vorwurf, den Garms zurückweist: „Wir haben erst am 23. Dezember gemerkt, dass unsere Weihnachtsmänner nicht reichen werden.“ Lediglich 25 von 3000 Familien hätten vergeblich gewartet. Genaue Zahlen kenne er noch nicht. Die Tusma organisiert seit über 50 Jahren Weihnachtsmannbesuche in Berlin. Die Familien bezahlen dafür in der Regel 28 Euro.

Aber nicht nur unter den Tusma-Weihnachtsmännern ist der Ton alles andere als besinnlich. Auch von der Konkurrenz gibt es scharfe Vorwürfe: „Die Tusma hat viele Familien hängen lassen, weil sie die Aufträge lieber storniert hat, als sie an uns weiterzuleiten“, sagt Jörg Schöpel, Projektleiter der zweiten großen Berliner Weihnachtsmannvermittlung „Heinzelmännchen“, die in diesem Jahr 2200 Familien von verkleideten Studenten besuchen ließ.

Aufgrund der zurückgegangenen Gesamtnachfrage hätte seine Agentur noch Kapazitäten frei gehabt, so Schöpel. Da zahlreiche Anfragen von enttäuschten Tusma-Kunden aber erst an Heiligabend selbst kamen, hätte man auch nicht mehr helfen können. Er sei sauer, sagt Schöpel, wolle aber „keinen Krieg der Weihnachtsmänner“.

Der kleine Pascal hat an Heiligabend seine Weihnachtsgeschenke dann doch noch bekommen. Von seinem Vater. Der murmelte plötzlich etwas von „Weihnachtsmann“ und „im Schnee leider stecken geblieben“. Pascal wird spätestens in diesem Jahr erste Zweifel bekommen haben, ob es den Weihnachtsmann überhaupt gibt.

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