Berlin : Warten auf die Entschuldigung Von Kindern überfallen:

83-Jährige liegt im Krankenhaus

Tanja Buntrock

Erika S. spricht mit schwacher Stimme. Sie liegt in ihrem Bett im Jüdischen Krankenhaus in Wedding und hat starke Schmerzen. Die linke Kniescheibe soll gebrochen sein, Genaueres weiß sie nicht. Ihr Bein liegt in Gips. Ob sie je wieder richtig laufen kann, ist noch unklar. „Vielleicht werde ich Mittwoch entlassen, aber die Ärzte sind nicht sicher“, sagt sie. Und das alles, weil drei Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren die 83 Jahre alte Frau überfallen haben.

Erika S. war am Mittwoch wie fast jeden Nachmittag am Weddinger Gartenplatz spazieren gegangen. Sie wohnt in einem Altenheim ganz in der Nähe. Häufig besucht sie eine Freundin zum Rommé-Spielen. Ihre Handtasche hatte sie dabei, „höchstens 50 Euro waren drin“, sagt sie. Zwei Jungen und ein Mädchen stürmten auf sie zu, der Älteste der drei riss an ihrer Tasche. Die Seniorin hielt die Henkel krampfhaft fest, dabei fiel sie zu Boden, zerschmetterte sich die Kniescheibe. „Ich hab’ aber nicht losgelassen“, sagt sie jetzt stolz. Die Kinder sind längst geschnappt. „Bei mir hat sich noch keiner entschuldigt“, sagt Erika S. „Vielleicht kommen sie noch.“ Früher hat Erika S. als Erzieherin im Hort und im Kindergarten gearbeitet. „So einen frechen Überfall“ könne sie überhaupt nicht verstehen.

Auch die stellvertretende Pflegedienstleiterin im Altenheim, in dem Erika S. lebt, ist schockiert. Bislang war noch keiner ihrer Heimbewohner überfallen worden. Aber die Gegend sei „nicht gerade die beste“, sagt die Leiterin. „Die Kinder hier in der Umgebung sind sehr rebellisch und laut. Sobald es wärmer wird draußen, treiben sie sich hier herum“, sagt sie. Sie fände es angemessen, wenn die drei Übeltäter einmal bei einer der „Beschäftigungsstunden“ am Nachmittag im Heim mitmachten und „ein wenig mithelfen, damit sie überhaupt mal ein Gefühl für die alten Menschen, die hier leben, entwickeln“. Mit den anderen Bewohnern habe die Leiterin nach dem Überfall bereits gesprochen und ihnen geraten, dass sie vorsichtig sein sollten „und möglichst nur noch abgezähltes Geld mitnehmen, wenn sie etwa zum Zeitungkaufen gehen.“

Im Heim werde Erika S. gut versorgt sein, wenn sie aus dem Krankenhaus kommt. „Auch wenn sie dann noch nicht richtig laufen kann.“ Zudem habe sie viele Enkelkinder, die sich um sie kümmerten, „zwei sind sogar selbst Ärzte“.

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