Berlin : Warten auf die nächste Winterpause

St. Pauli kämpft nach dem 1:2 gegen Wuppertal gegen den Abstieg

Ulrich Brüning

Lange drei Monate hatten sie am Millerntor warten müssen. Da hatte sich viel aufgestaut bei den leidgeprüften Fans des FC St. Pauli, allzu lang war die Winterpause der Regionaliga Nord. Dementsprechend stimmungsvoll geriet der Heimauftakt gegen den aktuellen Tabellenführer aus Wuppertal. Das Stadion am Millerntor war mit 18 600 Zuschauern wieder fast komplett gefüllt. Doch was St. Paulis Fans sahen, gefiel ihnen weniger. Nach dem Spiel scheint klar, dass für den aus der Oberliga Nordrhein aufgestiegenen Wuppertaler SV die dritte Liga nur Durchgangstation auf dem Weg zurück in höhere Gefilde sein wird, beim Zweitliga-Absteiger St. Pauli dagegen warnt Trainer Franz Gerber nach der 1:2-Niederlage vor dem umgekehrten Weg.

Was St. Paulis Trainer seiner Mannschaft vor dem Spiel mit auf den von Schnee bedeckten Rasen gegeben hat, ist nicht überliefert. Hinterher beklagte Gerber einen „Antilauf“, den seine Mannschaft habe. „Wir waren ersatzgeschwächt und einige Spieler immer noch grippegeschwächt. Dafür haben wir gegen eine clevere Mannschaft gut gespielt.“ Franz Gerber skizzierte die Symptome des „Antilaufs“. „Die haben doch nur zwei, drei Mal aufs Tor geschossen und nehmen alle Punkte mit.“ Gerber schüttelte mit dem Kopf. Unglaubliche Ungerechtigkeit, wollte er wohl sagen. Richtig ist wohl, dass die Wuppertaler sehr ballsicher auf dem rutschigen Rasen auftraten. Die Mannschaft zeigte sich deutlich handlungsschneller als die Gastgeber. Bei St. Pauli waren wie gewohnt Patrick Mölzl und Morad Bounoua die Spieler, die die Ordnung des Gegners durcheinander brachten. Vermutlich hätte der Schiedsrichter einen Elfmeter pfeifen müssen, als Audencio Musci im Strafraum nach Körperkontakt mit Wuppertals Mehnert zu Boden ging. Stattdessen erzielte dann Ales Kohout die Führung für die Gäste.

Dann folgte der Höhepunkt im insgesamt dann doch nicht befriedigenden Auftritt des Hamburger Zugangs Robert Palikuca. Der lange Manndecker hatte in der Abwehrarbeit zunächst eher unsicher gewirkt. Dann schoss er aber ein so wunderschönes Tor, das beim Anhang nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird. Rico Hanke hatte einen Freistoß von Bounoua mit dem Kopf verlängert, Palikuca stand am langen Eck, legte sich waagerecht in die Luft und verwandelte volley zum 1:1. Wenig später aber war alle Freude beim Torschützen verflogen: Nach der Pause musste der Kroate wegen einer Zerrung in der Kabine bleiben.

Die Wuppertaler waren dann clever genug, St. Paulis schwindenden Elan zu nutzen. Der eingewechselte Gaißmayer flankte präzise auf den eingewechselten Gensler, der sorgte für den Endstand. So konnte Wuppertals Sportchef Georg Kreß anschließend entspannt über seine taktischen Schachzüge parlieren, während Franz Gerber eine Situation beklagte, vor der er „immer gewarnt“ habe. „Mir fehlen mit den Abgängen von Gibbs, Nascimento und Stanislawski die wichtigsten Führungsspieler, andere sind verletzt oder nicht topfit. Nur mit jungen Oberliga-Spielern kann man nicht bestehen in dieser Liga“, sagte St. Paulis Trainer.

Bei den Fans ist der erneute Abstieg noch kein Thema. Allerdings droht am nächsten Sonntag wahres Ungemach für den braun-weißen Anhang. Eine Niederlage in der AOL-Arena gegen die HSV-Amateure, und man müsste diese in der Tabelle vorbeiziehen lassen. Vielleicht wünscht sich dann so mancher St. Paulianer, es wäre für immer Winterpause.

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