Warten aufs Geld : Gutachten für Pflegevesicherung dauern lange

Immer mehr Menschen beantragen Leistungen der Pflegeversicherung. Doch die Prüfung dauert zu lange. Der MDK will nun mehr Gutachter einstellen.

Ingo Bach

In Berlin und Brandenburg beantragen immer mehr Menschen Geld aus der Pflegeversicherung – und müssen lange darauf warten. 2006 und 2007 beurteilte der zuständige Medizinische Dienst der Krankenversicherungen (MDK) bei jeweils 130 000 Pflegebedürftigen, ob und welchen Anspruch sie auf Leistungen haben. Ein Jahr später waren es schon 145 000 Anträge, davon 60 000 aus Berlin. 2009 erwarte man eine erneute Steigerung auf dann 150 000 Aufträge, sagte MDK-Sprecher Hendrik Haselmann dem Tagesspiegel. Die Folge: Pflegebedürftige müssen oft länger als gesetzlich vorgeschrieben auf die Entscheidung warten – und damit auf das Pflegegeld.

Laut Pflegereform dürfen dafür maximal fünf Wochen vergehen, oft sogar weniger. Wird ein Mensch zum Beispiel im Krankenhaus oder Hospiz zum Pflegefall, muss das Gutachten binnen einer Woche vorliegen. In Berlin und Brandenburg vergehen zwischen Antrag und Bescheid der Pflegekasse dagegen im Durchschnitt 36 Tage. Oft dauert die Bearbeitungsfrist sogar deutlich länger.

Um das Problem zu entschärfen, will der MDK nun mehr Gutachter einstellen. Nach Informationen des Tagesspiegels hat der Verwaltungsrat des Dienstes für das Haushaltsjahr 2009 rund 900 000 Euro für zusätzliches Personal freigegeben – das ist eine Erhöhung des Gesamtetats des MDK um zwei Prozent.

Nun hofft der Dienst auf eine Entlastung durch die insgesamt 13,5 Vollzeitstellen und weitere Honorarkräfte, die er durch das zusätzliche Budget beschäftigen kann. „Allein zehn Stellen sind dafür da, den Stau an Aufträgen abzuarbeiten“, sagt MDK-Sprecher Hendrik Haselmann. Insgesamt stehen dem Dienst derzeit 117 angestellte Gutachter und rund 140 Honorarkräfte für die Pflegestufenbestimmung zur Verfügung.

Darüber, ob man den Bereich, der im MDK für die Qualitätsprüfungen der Pflegedienste und -heime zuständig ist, auch personell aufstocken müsse, werde im Sommer entschieden, sagt Hendrik Haselmann. Wie berichtet gibt es Zweifel, ob es den bisher dafür zuständigen 18 MDK-Prüfern gelingen kann, wie gesetzlich vorgeschrieben alle rund 1800 Pflegeeinrichtungen in der Region zwischen Sommer 2008 bis Ende 2010 einmal zu checken und dann Schulnoten für die Qualität zu vergeben. Mit einem solchen Zeugnis soll Interessenten die Auswahl eines Pflegeheimes oder -dienstes erleichtert werden. Ingo Bach

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