Berlin : Warten in bester Lage

Für das letzte freie Grundstück Unter den Linden gibt es immer noch keine Baugenehmigung

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Eigentlich müssten an der Ecke Unter den Linden/Friedrichstraße schon eine große Baugrube klaffen und der kleine Platz mit dem 330Zimmer-Hotel verschwunden sein. Die Münchner Meag wollte in diesem Jahr mit dem Bau eines Büro-, Geschäfts- und Wohnhauses beginnen, einen ersten Teil 2006 fertig stellen. Aber noch immer ist der Bau nicht genehmigt. Der Bezirk Mitte hatte im letzten Jahr die „Dichte“ kritisiert. Der Bauherr will jetzt über Termine nicht reden. Am Montag wird er voraussichtlich den Behörden überarbeitete Pläne vorstellen. Es sei aber, teilte er mit, „nichts Wesentliches“ geändert worden.

Meag-Sprecher Josef Wild will erst nach der Gesprächsrunde mit den Behörden mitteilen, „wie es weitergeht.“ Zu massiv und mit drei geplanten Höfen zu düster, hatte das Bezirksamt vor einem Jahr seine Ablehnung begründet. Es verlangte, bereits veränderte Pläne des Büros Gerkan,Marg und Partner zu überarbeiten. Christina Laduch vom Stadtplanungsamt Mitte und Senatsbaudirektor Hans Stimmann wollen sich das Projekt nun noch einmal erläutern lassen.Intern ist den Behörden bekannt, dass es nur einen Hof geben wird. Aber das Gebäude ist nach Ansicht des Bezirks mit über 30 Metern zu hoch, widerspricht der Gestaltungssatzung für den Linden-Bereich. Technikaufbauten auf dem Dach dürfe man von unten nicht sehen. Stimmann sieht zumindest die bauaufsichtlichen Probleme gelöst, die der alte Entwurf mit engen Höfen hervorgerufen hätte.

Dass gebaut wird, gilt weiterhin als unumstößlich. Die Kämpfe um den Platz mit seinem Kiosk und den 14 Platanen sind entschieden, seit das Land vor einigen Jahren den einzigen grünen Fleck im grauen Zug der Friedrichstraße mitsamt Hotel aus den siebziger Jahren an den Investor, ein Tochterunternehmen der Münchener Rück-Versicherung, verkaufte. Anlieger erzählen sich, der (geheim gehaltene) Kaufpreis für Platz samt Hotel habe nur gereicht, um für sechs Tage die Zinsen für die Verschuldung Berlins zu decken. Der Bezirk hatte vergeblich versucht, den Platz zu retten, wollte ihn sogar schöner gestalten. Die Senatsverwaltung änderte die Planung. Deshalb rechnet der Bezirk damit, dass auch eine Ablehnung des Bauantrags nichts bringt, weil dann der Senat das Verfahren übernimmt.

Der Neubau wird die Ecke deutlich verdunkeln. Er führt die Baufluchtlinie des Dussmann-Hauses fort, engt die Friedrichstraße beträchtlich ein. Für die Fußgänger bleiben Arkaden. Senatsbaudirektor Hans Stimmann verteidigt die Baupläne. Die Ecke sei besonders wichtig als „Signalblock“. Hier könne man erkennen, dass es die Dorotheenstadt und ihr enges Straßenprofil gab. „Stadtgrundrisse sind mein Lieblingsthema.“ In seiner Behörde wird dem Platz nicht nachgetrauert. „Erst kann man sich nicht vorstellen, dass eine Freifläche bebaut wird. Ist es dann so weit, wirkt alles wie aus einen Guss“, tröstet die Sprecherin der Verwaltung, Petra Rohland. „Es ist eben Stadt, da war gebaut und da wird gebaut“.

Vom Foyer des Hotels Unter den Linden wirken die Platanen wie ein kleiner Wald. „Ihr City-Hotel mit Blick auf die berühmte Kreuzung Unter den Linden“, verkündet der Hausprospekt. Der Rezeptionist, der ihn an Touristen verteilt, versichert optimistisch, dass die Gäste auch im nächsten Jahr wiederkommen können. „Die Fußball-WM machen wir noch!““

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