Berlin : Warum an der Warschauer Brücke vorerst nicht weitergebaut wird

kt

Obwohl an der Warschauer Brücke derzeit die Arbeiten zur Verlängerung der Straßenbahngleise ruhen, sollen die Bahnen wie geplant Ende Mai 2000 bis vor den U-Bahnhof Warschauer Straße fahren können. In den Sommerferien waren die Gleise auf der Brücke eingebaut worden; jetzt fehlen noch der Anschluss ans vorhandene Netz an der Revaler Straße sowie die Gleise vor dem Bahnhof. Entgegen ursprünglichen Planungen sollen beide Aufträge jetzt gleichzeitig ausgeschrieben werden, sagte Dagmar Buchholz, die Sprecherin der Bauverwaltung. Dadurch erhoffe man sich günstigere Kosten. Nach den alten Plänen hätten die Bauarbeiten im südlichen Bereich vor dem U-Bahnhof im Oktober beginnen sollen, der Norden sollte im Februar folgen. Planungsfehler gebe es nicht, sagte Buchholz weiter. Probleme bereitete den Planern aber nach Informationen des Tagesspiegels die Rampe im nördlichen Bereich. Sie muss so angepasst werden, dass es keinen Knick in den Schienen gibt.

Wenn die Gleise verlängert sind, verkürzen sich die Umsteigewege für die Fahrgäste. Derzeit müssen sie beim Wechsel von der Straßenbahn zur U-Bahn rund 450 Meter ungeschützt vor der Witterung über die Warschauer Brücke laufen, zur S-Bahn sind es 330 Meter. Nach der Verlängerung erreicht man den U-Bahnhof nach 40 Metern, den S-Bahnhof nach 160 Metern.

Mittelfristig ist geplant, die Gleise über die Oberbaumbrücke bis zum Schlesischen Tor in Kreuzberg zu verlängern. Dort kann eine Wendeschleife oder ein Wendedreieck für die Züge gebaut werden. Auf der Warschauer Straße ist dafür kein Platz. Für die Fahrten bis vor den U-Bahnhof kann die BVG deshalb nur Zweirichtungs-Fahrzeuge einsetzen, die an jedem Ende einen Fahrerstand haben. Solche Fahrzeuge hat die BVG erst spät bestellt. Sie sind erheblich teurer als Einrichtungswagen. Da die BVG nur wenige anschaffen wird, lässt sie im nächsten Jahr lediglich die Bahnen der Linie 20 auf der neuen Strecke zum U-Bahnhof fahren. Fahrgäste der "23" müssen weiter an der Revaler Straße aus- und einsteigen.

Für die 610 Meter lange Neubaustrecke sind 13,9 Millionen Mark veranschlagt. Nach Angaben von Experten sind die Kosten dreimal so hoch, als wenn man die Gleise gleichzeitig mit der Sanierung der Warschauer Brücke eingebaut hätte. Dies hatte die Bauverwaltung unter dem damaligen Senator Wolfgang Nagel (SPD) bereits vorbereitet, sein Nachfolger Jürgen Klemann (CDU) stoppte diese Arbeiten aber.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben